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Dibre Emeth · 1875-01-01 · 9-10 (1875) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
31 (1875)
Issue
9-10 (1875)
Date
1875-01-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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142 Seine Bemühungen sieht Prof. Cassel auch auf andere Weise belohnt. So ist jüngst ein von ihm Getaufter evangelischer Prediger in Amerika geworden und ein Anderer ein Lehrer an einem evangelischen Seminar daselbst. Der Erstere schrieb neulich voll Dankes, daß vor Kurzem bei einer Gelegenheit mehr als 20 Juden seiner Predigt zugehört hätten. Der gelehrte Missionar weiß aber sehr wohl, worin die eigentliche Kraft jedes Missionswerkes besteht. Er tritt ausdrücklich denen entgegen, die von Disputationen mit Juden viel erwarten; sehr richtig bemerkt er, daß dieselben sehr oft nur zur Verbitterung führen und in vielen Fällen die Widersacher lediglich zu leerem Gerede und Sophistereien verführen. Die beste Art des Disputirens ist die, den Juden die Nothwendigkeit des Glaubens und eines zerbrochenen Herzens zu zeigen, denn „Juden haben ein gutes Herz zum Hören, aber ein hartes Herz beim Disputiren". An freundlichen Erfahrungen fehlt es auch den Arbeitern des Missionswerkes in Deutschland nicht. In dem Dienste desselben finden aber neben den eigentlichen Missionaren theilweise auch Kolporteure ihre Stelle, und oft äußern sich die Juden gerade diesen gegenüber am Aufrichtigsten oder verkehren mit ihnen am Ungezwungensten. Voll interessanter Einzelheiten ist z. B. das Tagebuch des Kolporteurs der Danziger Station. SKöge' hier das Folgende aus demselben mitgetheilt werden: „In P. war zu meinem großen Erstaunen kaum ein Jude oder eine Jüdin zu sehen. Als ich nach manchen vergeblichen Versuchen, diesen oder jenen in seinem Hause anzutreffen, nach dem Grunde hiervon frug, hörte ich, daß alle zu einer Hochzeit gegangen wären. So ging ich nun aber, nachdem ich mich über den Ort derselben erkundigt, dahin und fand einen großen Saal, von jüdischen Gästen ganz angefüllt. Kaum aber wurde man meiner ansichtig, so ries man mir in höchst unceremoniellem Tone zu: „Heute wird hier nichts gekauft!" Ich aber entgegnete, daß ich den Bräutigam zu sprechen wünschte. Bei dieser völlig unerwarteten Antwort blickten mich Alle erstaunt an, als wären sie voll Ungeduld, zu erfahren, was ich für ein Anliegen haben könnte. Da sich nun aber wenige Sekunden darauf der Bräutigam mir vorstellte, redete ich ihn an: „Auch ich muß Ihnen bei einer so wichtigen Gelegenheit, wie die gegenwärtige ist, meinen Besuch machen, um Ihnen

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