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Dibre Emeth · 1875-01-01 · 9-10 (1875) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
31 (1875)
Issue
9-10 (1875)
Date
1875-01-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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140 theidigung des Althergebrachten bestand, auch dem Judenthum daselbst den entsprechenden Charakter aufgedrückt. Man wollte sich wohl von beiden Seiten her gegen das Eindringen des Fremden wehren; und die Elsässisch-Lothringischen Juden werden eben nur dadurch im Stande gewesen sein, jene geschlossene Handelskorporativn aufrecht zu erhalten, die den Verkehr des Landes an sich zu fesseln wußte, daß sie sich zu einer religiös-politischen Gemeinde ganz bestimmter und engbegrenzter Art ausbildeten. Die Aufrechterhaltung dieses besonderen Zustandes galt Wohl als die unerläßliche Bedingung für eine befriedigende Lebensexistenz. Eben daher mag auch die Bevorzugung des Katholizismus vor dem Protestantismus in jenen jüdischen Kreisen kommen. Der Katholizismus scheint ihnen die bisherige Sonderexistenz besser zu garantireu, während der Protestantismus das ganze Land mehr in jene allgemeine Bewegung hineinzieht, in welche es durch die geistigen Einflüsse Deutschlands geräth. Die Juden von Elsaß-Lothringen sind eben daher nun aber auch wie die gesammte übrige Bevölkerung in ein neues Stadium ihrer Entwickelung eingetreten. Läßt sich der alte Zustand nicht länger aufrecht erhalten, dann wird zunächst wahrscheinlich ein desto größerer Radikalismus an seine Stelle treten. Eine etwas konservativere Art hat übrigens, entsprechend dem Zustande der dortigen christlichen Bevölkerung, vielfach auch das Judenthum in West- und Süd-Deutschland gezeigt; doch ist auch dort überall der Einfluß des Neuen ein sichtlich wachsender. An einzelnen Beispielen aber von tieferen Eindrücken, welche das Evangelium auf jüdische Gewüther hervorbringt, fehlt es dort so wenig als anderwärts. So besuchte ein Kolporteur der Londoner Mission die Messe in Kreuznach. Derselbe trat an einen der dort ihren Handel treibenden Juden heran und bot ihm seine Bücher zum Kauf an. Der Mann aber fuhr den Kolporteur hart an und erklärte ihm, er verbäte es sich, mit solchem Anerbieten geplagt zu werden, da er viel zu viel zu thun habe, um derartigen Büchern seine Aufmerksamkeit schenken zu können. Der Kolporteur ließ sich jedoch nicht so leicht abweisen und bemerkte dem Kaufmann in freundlichem Tone, daß er, wenn er plötzlich aus dem Leben gerufen werden sollte, nicht Mangel an Zeit würde vorschützen können. Der Handelsmann schien etwas betroffen zu sein und antwortete, obwohl nicht mehr so scharf wie zuvor: „So lange wir leben.

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