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Dibre Emeth · 1875-01-01 · 9-10 (1875) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
31 (1875)
Issue
9-10 (1875)
Date
1875-01-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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189 Macht über die Herzen und Gewissen seiner früheren Anhänger eingebüßt, und wo er noch irgend welchen Einfluß übt, geschieht dies nicht daher, weil er die Geister noch inwendig zu bestimmen und an sich zu fesseln vermöchte, sondern lediglich weil die alte Gewohnheit ihm noch zu Gute kommt, oder weil die, welche sich ihm entfremden wollen, bei ihren andere Wege wandelnden Brüdern keine religiöse Macht finden, die ihnen innere Befriedigung gewährt, so daß sie allein aus Mangel an einem Besseren noch Stücke des Alten zu erhalten bemüht sind." Eine gewisse äußerliche Orthodoxie herrscht noch vielfach unter den Juden von Elsaß-Lothringen, die den allgemeinen Einflüssen der inneren Entwickelung Deutschlands bisher noch ferner gestanden haben und eben deßhalb nicht so rasch den Eindrücken, die auf ihre Brüder in Deutschland einstürmten, erlegen sind. Die äußere Lage dieser Juden ist eine höchst blühende. Es giebt unter ihnen nur wenige eigentlich Arme, und für diese kleine Zahl ist von Seiten der Uebrigen wohl gesorgt; man hat sie mit Schulen, Hospitälern, Arbeitshäusern u. s. w. wohl versehn. Die Juden von Elsaß-Lothringen bilden das Mittelglied für den gesammten Handel jener Gegenden und dies in einem solchen Maße, wie wir es sonst nur in ähnlicher, wenn auch vielleicht noch größerer Ausdehnung in den slavischen Ländern finden. In religiöser Hinsicht leistet die größere Zahl dieser Juden allen Einflüssen, woher sie auch kommen mögen, einen ziemlich lebhaften Widerstand. Weder französische, deutsche oder polnische Juden, noch die Missionare, welche sich unter ihnen niederließen, haben bisher einen großen Erfolg bei ihren Bemühungen, auswärtige Ideen in die elsässische Synagoge einzupflanzen, gehabt. Das Judenthum dieser Provinzen ist im Allgemeinen weder das der modernen Reform, noch das des alten rabbinischen Beth-Hamidrasch oder des Predigthauses, das seiner Natur nach mehr verständig und deßhalb auch für fremde Idem zugänglicher ist, sondern es ist das in äußerster Ausschließlichkeit stereotype Judenthum der Synagoge, das lediglich im zähesten Festhalten der Ritual-Gebräuche besteht. Diese konservative Tendenz unter den elsässischen Juden steht in Uebereinstimmung mit den konservativen Gewohnheiten der Bevölkerung jenes Landes, welches sie seit Jahrhunderten bewohnen. Sicherlich hat der Kampf des Deutschthums in jenen Gegenden, der überwiegend in einer Ver-

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