Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 31 (1875)
- Issue
- 9-10 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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137 unvernünftigen Unglaubens mit der Unwissenheit und Heuchelei vorurtheilsvollen Aberglaubens herbeizuführen." Das Buch verurtheilt auch die weitverbreitete Neigung, die Religion als eine bloß politische Waffe zu behandeln. In Bezug auf diese Neigung sagt es: „Denjenigen, für welche die Religion nicht eine erhabene Wahrheit ist, als welche sie den Gläubigen gilt, sondern nur ein Mittel für weltliche Zwecke, um sich nämlich eine Herrschaft zu erhalten, die ihnen Unwissenheit und Borurtheil sichern, würde es vergeblich sein, etwas Anderes vorzuhalten, als die Worte des Evangeliums: Sie sind getünchte Gräber." Doch hat der Verfasser nichts vorzuschlagen, um eine religiöse Begeisterung zu erwecken. Nach ihm scheint die Religion in einem bloßen Streben nach fortwährendem Fortschritt in der Humanität zu bestehn. Niemals beschäftigt er sich mit den nach Innen weisenden Wahrheiten der Religion, und so ist es für ihn auch ein Gegenstand von geringer Wichtigkeit, ob der Glaube an einen Messias einen guten Grund habe, und ob es wahr oder eine Einbildung und lächerlich sei, zu behaupten, daß der Messias der Juden ein anderer ist als der Christus der Evangelien. Ohne Zweifel denken viele Juden überall in Italien ebenso und meinen, daß alle Religionen insoweit gut sind, als sie den Fortschritt der Humanität befördern, daß man hingegen von keiner Religion im Besonderen die Wahrheit erwarten muß, sicher wenigstens nicht von dem Judenthum der Ueberlieferung, welches seit der Zerstreuung Israels existirt hat. „Das Judenthum beruht einfach auf der Erfüllung seiner Lehren, die alle ihren Mittelpunkt in dem Kommen des Messias haben. Und da in ihnen „der Messias" bloß ein unbestimmter Ausdruck für die Hoffnung auf den Sieg der Humanität in der Zukunft des Menschengeschlechts ist, so mag das Judenthum fernerhin keine weitere Bedeutung haben, als vielleicht die, der Anzeiger einer unbegrenzten Hoffnung zu sein." Einzelne jüdische Seelen aber fühlen auch in Italien noch immer den Durst nach Wahrheit und Frieden. So wurde jüngst ein junger Jude in Rom getauft, welcher der Enkelsohn eines früheren Großrabbiners von Rom ist. Derselbe war in vollständigen Unglauben verfallen, aber das Sündengefühl in ihm durch eine Predigt geweckt worden, die er zufällig von einein evangelischen Prediger hörte. Als er dann später eine zweite