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Dibre Emeth · 1875-01-01 · 9-10 (1875) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
31 (1875)
Issue
9-10 (1875)
Date
1875-01-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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136 laß dich darauf, wird er auch bald ein Christ und ein Puritaner werden." Er wurde darauf beobachtet und entdeckt, und um des lieben Friedens willen lieferte er seine Bücher an ihre Freunde aus. Sobald ihr Verdacht sich gelegt hatte, packte er seine Sachen zusammen und ging mit seinem Weibe nach Nizza, unterwegs aber besuchte er den Missionar Frankel, welcher ihm die Adresse des Geistlichen jener Stadt gab, der ihn, so sprach er sich voll Zuversicht aus, im Glauben erbauen und befestigen werde. Aber gerade in diesem Falle trat es wieder einmal zu Tage, wie wenig lebendige Keimkraft oft der Herzensboden selbst scheinbar ernster gerichteter Juden unsrer Tage in unfern Kulturländern zeigt. Der Geistliche in Nizza nahm den jüdischen Freund herzlich ans und durfte ihm auch den großen Plan der Erlösung, wie er im Evangelium geoffenbaret ist, ausführlich darlegen. Aufmerksamst hörte dieser ihm zu. Als er aber gefragt wurde, was er nun von dem Christenthum dächte, antwortete er: „Ich habe großen Respekt vor den Christen und bewundere ihre Religion; die Gebote des N. Testamentes sind erhaben, und oft wünsche ich, ich wäre als Christ geboren; da es aber Gott für besser erkannt hat, daß ich als Jude geboren würde, so muß ich mich auch seinem Rath unterwerfen und als Jude leben und sterben." Unter den romanischen Ländern Europas hat die Londoner Mission außerdem auch Italien betreten; Rom und Triest sind ihre Stationen in diesem Lande. Ein Buch, betitelt: „Der Messias nach der Lehre der Juden" kennzeichnet die Auffassung, welche das Christenthum unter den gebildeten Juden Italiens gefunden hat. Das Buch ist aus rationalistischen Ansichten geflossen und zeigt jedesfalls, daß die nachdenklicheren Juden die alten und so lange behaupteten jüdischen Traditionen über den Messias nunmehr verwerfen. Beinerkenswerth aber ist es, daß, während der rationalistische Verfasser die Möglichkeit einer göttlichen Offenbarung leugnet, er dennoch mit einer gewissen Ernsthaftigkeit im Tone und Geiste schreibt und die weite Verbreitung der Gleichgültigkeit gegen alles Religiöse tief bedauert. „Die Gleichgültigen", sagt er, „bilden unglücklicherweise die Mehrheit in Italien, und das ist sicher kein geringes Zeichen für unseren moralischen Niedergang. Denn Gleichgültigkeit gegen die Religion pflegt eine Verbindung aller Leichtfertigkeit eines

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