Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 31 (1875)
- Issue
- 9-10 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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135 während dieser Zeit denken sie in der That an nichts Anderes als an ihr kaufmännisches Hauptbuch. Rev. Frankel, der Missionar in Marseille, versuchte die Gedanken eines jüdischen Kaufmannes auf höhere und bessere Dinge zu richten. „Setzen Sie sich nieder," sagte derselbe, „und lassen Sie uns über die Sache vernunftgemäß reden. Ich stelle das Christenthum auf die gleiche Stelle mit dem Judenthum; beide haben ein gewisses Quantum von Wahrheit und beide sind in ihrer Weise gut. Ich achte Sie ebenso hoch wie meinen Rabbi; Sie können nicht erwarten, dnß ich noch weiter gehe. Nun, nehmen Sie an, der Rabbi käme hierher und spräche mit mir über die Religion, so würde er die nämliche Antwort von mir erhalten, die ich Ihnen gebe: Jedes Ding hat seine Zeit, und das Geschäftshaus ist für das Geschäft, die Kirche und Synagoge sind für die Religion — gehen Sie zu dem christlichen Kaufmanne und Sie werden sehen, daß seine Anschauung der Dinge mit der weinigen übereinstimmt." Eine interessante Begegnung hatte Miss. Frankel mit einem spanischen Juden, der mit einer englischen Jüdin verheirathet war. In Folge seiner Kenntniß mehrerer Sprachen fand derselbe reichliche Beschäftigung als Handlungsreisender. Er besuchte einige katholische Länder und war jedesmal bei der Rückkehr nach England von dem auffälligen Unterschiede zwischen römisch-katholischen und protestantischen Nationen betroffen. Eine gewisse nachdenkliche Richtung in seinem ganzen Wesen führte ihn dazu, der Sache weiter nachzuforschen, um womöglich die Lösung des Geheimnisses zu finden. Er besuchte deßhalb römisch-katholische und protestantische Kirchen, und die Augen wurden ihm aufgethan, zu erkennen, daß, während man in der erstgenannten Kirche vielmehr einen unbekannten Gott anbete, der Gottesdienst bei den Protestanten aus den Herzen und aus dem Geist geschieht. Er kaufte sich eine Bibel und ein neues Testament, folgte dann dem Geistlichen in denselben bei der Verlesung der Abschnitte aus dem N. und A. Testament und brachte die meisten seiner Abende hernach im Studiren des Gotteswortes ,zu Hause zu. Seine Frau nahm an ihm eine große Veränderung wahr; er gab das Theater und andere Stätten des Amüsements aus. Sie wurde darüber unruhig und suchte den Rath von Freunden. „Siehe zu, antworteten ihr dieselben, was für Bücher er liest; wenn er, wie wir vermuthen, über dem N. Testament brütet, dann, ver-