Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 31 (1875)
- Issue
- 9-10 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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133 saison viele Juden beider Geschlechter unter den Andächtigen in christlichen Kirchen, wo sie früher oder später die lebendige Erlösungskraft „der wenigen spekulativen Ideen" erfahren müssen, über die man so leicht dahingeht von Seiten der Anhänger des Reformjudenthums. So weit dient die bloß äußere Assimilation des Judenthums mit dem Christenthum nach Gottes Leitung dazu, die Anhänger des früheren Systems zu einer Würdigung der geistigen Wahrheiten des Christenthums zu führen. Der Weg ist ganz offenbar zum Vortheil des Christenthums gebahnt, und man würde, so äußert sich mit Recht einer der Missionare, eine schwere Verantwortlichkeit aus sich laden, wollte man die Gunst der Verhältnisse nicht benutzen. Das größte Hinderniß bildet gegenwärtig noch die große sociale Scheidewand zwischen Juden und Christen. Der Fortschritt ist nichts desto weniger deutlich zu erkennen, und die verheißungsvolle Natur des Missionswerkes unter den Juden besonders an dem Vorhandensein eines sehr zahlreichen Stammes von jüdischen Christen, die mit allen den großen jüdischen Familien des Landes verwandt sind, zu ersehn. Der Einfluß dieser Judenchristen macht sich aber in wachsendem Maße unter Juden wie unter Christen geltend. Auf dem europäischen Festlande hat dann ferner die Londoner Mission sogleich in Holland Stationen errichtet; Amsterdam und Rotterdam sind schon eine geraume Zeit von ihr besetzt. Der jetzt in den Ruhestand zurückgetretene Proselyt Pauli insbesondere hat auf diesem Felde mit großem Eifer und nicht ohne Erfolg gearbeitet. Holland war eine Zeit lang so recht eigentlich eine Burg des Talmud; das Studium desselben nimmt nun aber auch dort in wahrhaft rapider Weise ab. Dafür sind jedoch viele Mitglieder der Synagoge tief in den Materialismus versunken und zeigen eine entsetzliche Unkenntniß ihrer eigenen heiligen Schrift. Ueber diesen Verfall der talmudischen Studien und das Wachsen des Materialismus klagte neulich eine angesehene Stimme aus ihrer eigenen Mitte in schmerzlichster Weise. Bei Gelegenheit der Einführung des Hauptrabbiners von Amsterdam sprach dieser Lehrer in Israel die Worte: „Was wissen unsere Söhne und Töchter von der Bibel? Sind sie mit der jüdischen Literatur und Geschichte bekannt? Was wissen unsere Männer, unsere intelligenten Männer vom Talmud, diesem Doppeldenkmal des Herzens und des Geistes?" Der