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Dibre Emeth · 1875-01-01 · 9-10 (1875) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
31 (1875)
Issue
9-10 (1875)
Date
1875-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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daß die Juden gegenwärtig überall, trotz ihrer nationalen und socialen Besonderheit auf der einen Seite, auf der anderen die Neigung zeigen, sich mit ihren übrigen Mitbürgern zu vereinigen, insbesondere aber mit denen, welche ihnen die politische Gleichstellung eingeräumt haben. Der dicht angezogene Mantel der Ausschließung, welcher Jahrhunderte lang dem Sturmesbrausen der Verfolgung widerstanden hatte, löst sich nun in Folge des Einflusses, den die ihnen überall bewiesene freundliche Gesinnung ausübt; und die eisige Strenge des JudenthumK verschwindet unter dem Fortschritt der europäischen Kultur. Dieser mildernde Einfluß ist am Ausfälligsten in den fortgeschritteneren christlichen Ländern zu bemerken; überall jedoch nimmt der Jude an den charakteristischen Eigenschaften der Nationen, unter die ihn sein Loos gewiesen hat, Antheil. Er ist entartet und träge im Orient, unkultivirt und ungeschlacht in Rußland, rücksichtslos rationalistisch in Deutschland, frivol und ein Liebhaber des Schauspiels in Frankreich, ernst hingegen und bis zu einem gewissen Grade selbst religiös gerichtet in England. Diese Eigenheit der modernen Juden, ihr bereitwilliges Sichanpassen an die nationalen Eigenthümlichkeiten der civilisirten christlichen Staaten bietet in England, diesem ausgesprochen protestantischen Lande, wo die Religion der Bibel ebenso tiefe Wurzeln geschlagen, als eine weite Ausbreitung gefunden hat, unschätzbare Gelegenheit für die Beförderung der christlichen Sache unter ihnen. Der Einfluß, den die christliche Atmosphäre auf die englischen Juden, welche dieselbe einathmen, auf indirekte Weise hervorgebracht hat, ist so groß, daß alle ihre Einrichtungen auf religionsgemeindlichem, religiösem, kommunalem und Wohlthätigkeits-Gebiete der genaue Abdruck der britischen Einrichtungen, welche sie rings um sich sehen, sind. Das Haupt der reformerischen Abtheilung der Synagoge ist so weit gegangen, öffentlich zu erklären, daß es, mit Ausnahme einiger weniger spekulativen Ideen, in Wirklichkeit keinen Unterschied zwischen Judenthum und Christenthum gebe; und eine ähnliche Parallele ist jüngst von einem Theil der sich orthodox nennenden jüdischen Presse zwischen „aufgeklärtem Protestantismus und Rabbinismus" gezogen worden. Vorfälle wie diese liefern den schlagendsten Beweis von dem unwiderstehlichen Eindruck, der von dem reineren Christenthum des Landes auf die Juden ausgeübt wird. In Folge dieser mächtigen. Anziehungskraft erblickt man während der Bade-

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