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Dibre Emeth · 1875-01-01 · 9-10 (1875) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
31 (1875)
Issue
9-10 (1875)
Date
1875-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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MWWW 131 geführt. Besonders unter den aus Deutschland kommenden Juden nehmen Unglaube und Zweifelsucht in steigendem Maße zu. „Sprich mir nicht vom Neuen Testamente, denn wir sind krank und müde genug vom Alten", das ist die Sprache, die von den Lippen der sogenannten erleuchteten Nachkommen Abrahams fließt; und wenn man sich zu ihren weniger philosophischen und spekulativen Brüdern wendet, die in Großbritannien geboren und erzogen sind, dann hört man allerdings nicht viel von wissenschaftlichem Fragen und Forschen, aber erblickt statt dessen, was doch ebenso seelenmörderisch wirkt, ein beständiges Fortschreiten des Materialismus, der jedoch freilich unter dem Modenamen „eines geläuterten Theismus" auftritt. Selbst die polnischen und orientalischen Juden, gegenwärtig doch die eigentlichen Repräsentanten des Rabbinismus und des Aberglaubens, sind von diesen sich immer weiter ausbreitenden Jrrthümern und Zweifeln, welche das Fundament alles jüdischen Glaubens an eine geoffenbarte Wahrheit untergraben, nicht unberührt geblieben. Eine Reaktion Macht sich selbst in dieser Klasse bemerklich, und Leute, die einst gewohnt waren, jede talmudische Fabel und Legende mit Ehrfurcht und heiliger Scheu zu betrachten, stellen jetzt, ohne davor zurückzuschrecken, die Wahrhaftigkeit des Moses und die Möglichkeit von Wundern in Frage. Das Judenthum, jenes echte und eigentliche Judenthum der früheren Zeit, ist in augenscheinlichem Verfall; fortan ist dasselbe nicht mehr eine Frage der Religion, sondern eine Frage der Nationalität. Glücklicherweise sind die Juden als Nation mit einem lebhaften Gefühl für alles Religiöse begabt; dasselbe ist ein wesentliches Element in ihrem Charakter. Sie bedürfen einen Glauben, aber einen solchen, der ihre Zweifel entfernen und das Verlangen ihrer Herzen stillen kann. Und hier gerade knüpft die Arbeit der Missionare an. Das Missionswerk der Gegenwart hat denn auch seine fördernden Umstände aufzuweisen. Es gab eine Zeit, wo der nach Wahrheit fragende Jude es nur verstohlen oder unter dem Schutze der Nacht wagen konnte, den Missionar zu besuchen. Er erschrack schon vor dem bloßen Gedanken, auch nur in den Verdacht kommen zu können, als unterhielte er einen Verkehr von so gefährlicher Art; das aber ist jetzt ganz anders geworden. Der Verkehr ist nun ein freier und ungehinderter. Der Mission kommt hierbei zu Statten, 9*

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