Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 31 (1875)
- Issue
- 7-8 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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124 n gewillfahrtet und findet nun Geschmack an den Verbesserungen. Je mehr die Mission aber an diesem Punkte eine führende Stellung einniinmt, desto segensreicher wird sie wirken können; nur lerne sie eben in Weisheit die Ucbcrgangsstufen zu bcschrciten, um liicht vor der Zeit das Kind mit dem Bade anSzuschütten. Die gegenwärtige Neuordnung der Dinge in Rußland ist dabei für die Judenmission besonders wichtig; denn so fallen nun von selbst gar manche Hindernisse der früheren Zeit hinweg, und ihr Eintreten macht sie für die Juden selbst in mancher Beziehung begchrenswerth; ihren Schuluutericht wird man, wie cs z. B. im Orient und der Provinz Posen der Fall war, bald sehr zu schätzen wissen. Aber allerdings zu gleicher Zeit sehn wir auch die jüdische Bevölkerung so gut wie die slavisch-russische von besonderen Gefahren bedroht. Die entsetzlichste und wildeste Schwärmerei erhebt auf der einen Seite ihr Haupt, auf der andern Seite droht ein Geist der Verneinung, welcher vor nichts mehr stehn bleibt, alle bisherigen Grundlagen zu zerstören, ohne dafür das mindeste Positive an die Stelle setzen zu können. Auf jüdischem Gebiete sind es der Chasidismus hier und das neu-russische Resormjudcnthum dort, welche einem gesunden Fortschritt und einer Neugestaltung zum Besseren in den Weg treten. Dabei ist das Werk, welches das Evangelium dort zu vollbringen hat, obgleich ein viel versprechendes, darum ein doppelt schwieriges, weil es eben nicht blos einfach eine völlig neue religiöse, sondern zugleich eine religiöse und sociale Aufgabe zu vollbringen hat. Der russischen Regierung muß man es Dank wissen, daß sie der Frage der Verbesserung der bürgerlichen Lage ihrer Juden mit Einsicht nahetritt und dieselbe nicht mit der gar nichts helfenden bloßen bürgerlichen Gleichstellung zu lösen sucht. Gott gebe, daß sie sich nicht auch von der Thorheit der Proklamirung der modernen sog. Menschenrechte anstecken lasse, sondern mit Vorsicht und Umsicht die Kardinalfrage im Auge behalte, was zuvor an grundlegender Arbeit geschehen müsse, um Christen wie Juden in ihrem Reiche zu nützlicher gemeinschaftlicher Thätigkeit heranzubilden. - Aber allerdings ohne das lebendige Evangelium wird ein dauerhaftes Werk auch in dieser Hinsicht nicht erreicht werden. Möchten sich nur die neuen evangelischen Friedensboten, die jetzt unter Rußlands Juden treten werden, vor einseitiger Parteinahme hüten, möchten sie sich selbst mit der Kraft