Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 31 (1875)
- Issue
- 7-8 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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123 find, welche sie gar zu oft förmlich an ihre große Gemeinschaft schmiedet und ihnen fast allein in ihrer Zusammengehörigkeit mit diesem Körper die Existenz sichert. Daß sie cs nicht gelernt haben, produktive Arbeit zu thun, welche dem Einzelnen von vornherein seine Selbstständigkeit wahrt, daß sic vielmehr, muß man sagen, in der Hauptsache Glieder einer Handelskorporation geworden sind, welche nun auch dem Einzelnen die Bedingungen seiner Existenz vorschreibt, steht ihrer religiösen Freiheit auf's Aeußerste im Wege. Der Einzelne leidet so am Schlimmsten unter den Folgen der socialen Mißbildung des ganzen Stammes. Jndcß arbeitet das Wort Gottes unter den lithauischen Juden gewaltig fort. Als Gnrland das letzte Mal in Wilna weilte, rissen sich die Juden förmlich um die hebräischen Testamente und Missionsschriften, die er mitbrachte. Darum thut cs aber dringend noth, daß mehr Arbeiter in diesen Weinberg treten. Gurlands Gesundheit hat unter der überaus angestrengten Arbeit sehr gelitten — und was soll dieser Eine unter den Tausenden, die er auf's Tiefste von den Fragen des Glaubens ergriffen gefunden hat? Möchten die Füße der Boten der Londoner Gesellschaft besonders diesen Boden betreten. Ihr vorzügliches Augenmerk müßte aber diese Mission auf die Jugend richten. Sie wird keine nachhaltige Frucht ernten, wenn nicht eine neue christliche Schule, deren Hauptzweck eben nicht eine möglichst große Mittheilung von Kenntnissen, sondern die Pflanzung eines neuen Sinnes sein muß, ein hervorragendes Stück ihrer Missionsarbeit wird. Pastor Gurland ist an seinem Theile bereits bemüht, die Hand an das Werk zu legen. Freilich haben sich ihm mannigfache Schwierigkeiten entgegengeftellt, aber nlit solchen f)at. die Mission stets zu rechnen und darf sich durch dieselben nicht muthlos machen lassen. Die Schularbeit aber darf nicht allein den Knaben, sondern muß auch den Mädchen gelten; und läßt dieselbe dann Anfangs etwa Vieles zu wünschen übrig, so bedenke man: „Aller Anfang ist schwer". Gurland hat sich sogar nicht gescheut, jüdischen Lehrern unter die Arme zu greifen, die sich willig finden ließen, den Unterricht ein wenig nach den von ihm ausgestellten Grundsätzen zu verbessern. Er forderte mehr äußere Ordnung und eine Erweiterung über das bloße Hebräisch-Lesen und Schreiben und die Erlernung des Talmud hinaus. Mau hat ihm