Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 31 (1875)
- Issue
- 7-8 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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122 Am andern Morgen las er in der Zeitung: „Amerika, New- Uork, 1. Mai 1874. Eine Anzahl reicher Juden aus Rumänien ist hier angckommcn, um die nöthigen Vorbereitungen zur Begründung einer jüdischen Kolonie in Nebraska zu treffen. Der ausgewählte Ort befindet sich südlich von der Hauptstadt Lincoln, am 41. Parallelkreise n. Br. Das Land ist fruchtbar, gut bewässert und besonders für den Landbau geeignet. In New-Iork hat sich ein jüdischer Verein zum Empfang seiner verfolgten Glaubensbrüder gebildet. Wenn alle Maßregeln getroffen sind, dann soll eine Truppe von 3 —5000 Juden über Antwerpen sich nach Amerika begeben, und die Auswanderung wird fortdauern, bis etwa 50,000 Juden übergesiedelt sein werden. Welcher religiösen Richtung diese Juden angehören, ist vorläufig nicht bekannt." Rabbi Moische, der sich vor seiner Reise in's Ausland eine Zeitlang in Rumänien anfhiclt, hat wohl mit diesen Juden und ebenso mit den von ihm erwähnten Christen in Verbindung gestanden. Manches deutet darauf hin, daß er mit der christlichen Sekte der Jrvingianer, welche von einer ganz nahe bevorstehenden Bekehrung des Volkes Israel die Vollendung der Kirche erhofft, in ein Freundschaftsverhältniß getreten sei; doch ist dieser Punkt noch nicht aufgehellt. Jedesfalls ist Rabbi Moische einige Zeit danach mit etwa 100 Familien nach Rumänien gegangen, um von dort aus nach Nebraska auszuwandern. Nähere Nachrichten sind noch nicht eingelaufen. Die Auswanderung ist jedoch für die Zurückbleibenden ein Segen geworden. Die fanatischsten Elemente haben Wilna verlassen, und bei den Uebrigen ist der Rückschlag nicht ausgeblieben. Gurland kann denselben, es sind etwa 130 Familien, das Zeugniß geben, daß er unter ihnen mehr Ernst, Selbsterkenntniß und Heilsverlangen gefunden habe. Die Meisten, so glaubt er, würden auch bereit sein, ihre Ansichten über das demnächst aufzurichtende jüdische Messiasreich aufzugeben und sich der evangelisch-lutherischen Kirche Rußlands anzuschließen, wenn nur die Existenzfrage der Zukunft gelöst werden könnte. Aber an diesem Punkte zeigen sich gegenwärtig noch fast unüberwindliche Schwierigkeiten. In der That ist es überhaupt eines der schlimmsten Hindernisse für die Bekehrung der Juden, daß dieselben an gar zu vielen Stellen und besonders in den slavischen Distrikten in eine sociale Stellung hineingerathen