Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 31 (1875)
- Issue
- 7-8 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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121 Messias der Juden und nicht der Heiden habe sein wollen, gewonnen. Aus diesem Kreise erging jetzt die Aufforderung an Gurland, die Frage des Christcnthums mit ihnen näher zu besprechen. Gurland ist der Bitte nachgckommcn; er hat mehrere Reisen nach Wilna unternommen und dort stets einige Wochen zngebracht. Hierauf erkannte er cs aber als Haupterforderniß, in dieses gähreudc Treiben mit klaren, wegweisenden Worten hineinzutrcten, und zu diesem Zwecke eine Literatur zu schaffen, welche die Geister zu einem geordneten Fragen und einer klareren Erkcnntniß des vor Allem Wichtigen leiten könnte. Dieser Arbeit hat jetzt Pastor Gurlaud daher seine vorzüglichste Kraft zugcwandt. Jndeß haben sich aber die Dinge in Wilna weiter entwickelt. Als Gurland im Dezember 1873 die Stadt besuchte, fand er die ganze Bewegung zu einer äußerst bedenklichen Schwärmerei ausgcartet. Gurland nahm trotzdem die Arbeit wieder auf; er hatte aber eine überaus schwere Stellung und mußte zunächst unverrichteter Sache nach Hause fahren. Dennoch wollten die Wilnaer Juden den Verkehr mit ihm nicht abbrechcn, sondern begannen mit ihm eine umfangreiche Korrespondenz, die aber freilich zu keinem Resultate führte. Hierauf baten sie ihn um einen neuen Besuch, Gnrland willigte ein und fand nun wieder sehr veränderte Verhältnisse vor. Rabbi Elias Moische hatte nämlich inzwischen eine Reise in das Ausland gemacht und war von derselben mit der Nachricht zurückgekchrt, daß sich Freunde seiner Richtung in England gefunden hätten, welche Alle, die mit ihm nach Amerika auöwandern würden, um dort selbstständige Gemeinden zu bilden, mit den uöthigen Mitteln zur Reise und zur Ansiedelung in jenem Lande versehn wollten. Dieses Versprechen lockte, und die Gcttiüthcr waren, als Gurland ankam, förmlich von dem Gedanken erhitzt, welch' eine glänzende Zukunft, der judenchristlichen Gemeinde, die sich daselbst bilden würde, bevorstünde. Alle Warnungen Gurlands wurden in den Wind geschlagen. Rabbi Moische schilderte seinen Anhängern die Herrlichkeit des nahen messianischcn Reiches in so glühenden Farben, daß ihnen Gurlaud, welcher sie darin hindern wollte, von demselben Besitz zu ergreifen, als der ärgste Feind erschien. Es kam zu Auftritten, bei denen Gurlands Sicherheit auf's Höchste bedroht war, und kaum gelang es ihm, den Händen der Fanatisirtcn zu entfliehen.