Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 31 (1875)
- Issue
- 7-8 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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118 gicrung besonders eingerichteten Schulen (Kronschulen) sind sehr unpopulär geblieben, besonders die Chasidim, welche den Einfluß derselben fürchten, bekämpfen sie und ihre Zahl wächst nicht, sondern nimmt ab; die Privatlchranstaltcn überwiegcn bei Weitem. Die Negierung wird diesen Widerstand allerdings zu brechen wissen, zumal der obligatorische Militärdienst die Juden selbst nöthigen wird, sich die an den Besuch bestimmter Schulen geknüpften Erleichterungen für die Militärzeit zu verschaffen. Aber man erwarte nicht zu viel von der wachsenden Bildung. Wir haben gesehen, wie sehr cs darauf ankommt, daß sich das ganze Leben der Juden völlig umgcstalte — und diese Hauptsache leistet der bloße verbesserte Schulunterricht keineswegs. Oesterreichs Inden drängen sich in ungemeiner Zahl zu den höhereu Lehranstalten, und doch, welch ein Elend haben sie auch nur dadurch über dieses Reich gebracht, daß sie das ganze Volk und Land von Wien und Heft aus, mit Hülfe der Börsen, welche daselbst fast völlig ihre Domänen sind, in den Gründungsschwiudel hinabgezogen haben. Oesterreich versucht sich vergeblich zu erholen — sein ganzes wirthschaftliches Leben ist tief erschüttert — und man kann sich nicht täuschen, daß cs eben darum in einen solchen Zustand gcrathen ist, weil es seinen Juden die sociale Führerschaft überlassen hatte. Die gesteigerte Bildung der Juden hat dieselben also für daS allgemeine Leben des Volkes noch in keiner LLeise nützlicher gemacht. Auch Rußland würde nichts erreichen, wenn es lediglich „gesteigerte Schulbildung" als Heilmittel anwcnden wollte. Gewiß, mit der Jugend muß begonnen werden; aber darum gilt cs derselben nicht bloö mehr Wissen beizubringen, sondern ihre ganze Gesinnung von früh auf in die richtigen Bahnen zu leiten. Wie aber soll dies geschehen? Nun wir sind über eine Macht, welche dies zu wirken im Stande wäre, nicht zweifelhaft; diese Macht ist ein lebendiges Christcnthum, welches eben die Juden zu wahrhaft harmonisch dem großen Leibe der Völker sich eiusügenden Gliedern upigestaltcn würde. Und die Gegenwart hat jcdcsfalls den Beruf, die Vorarbeit hierfür zu unternehmen. Jedoch, wer soll die Arbeit aufuehmen? In Rußland befindet sich als herrschende Kirche die griechische, auf dieselbe folgt der Größe nach die römische und alsdann die mehrfach in sich ge-