Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 31 (1875)
- Issue
- 7-8 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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117 Kodders!" „Sind keine nicht mehr," versetzte diese. „So gib Heu her!" Und cs geschah. Schifrc nahni einen Haufen verfaultes Heu aus der Wiege ihres Lieblings und reichte cs dem Vater, der cs in kleine Bündel zcrthcilte und fünf Kindern damit buchstäblich den Mund stopfte. „Jetzt vorwärts in die Runde!" schrie er, worauf der Zug sich wieder in Bewegung setzte. Mir war das Schauspiel mehr zum Weinen als zum Lachen. Zu verwundern war es nur, daß die Kinder solche Qualen so geduldig aushielten. Das ist also eine russisch-jüdische Elementarschule, wo die Jugend die rechte sittliche Grundlage erhalten soll." In der That, dieses arme Volk verdient unser tiefstes, innerstes Mitleid, und nichts rechtfertigt mehr die Ueberzeugung, daß hier die Christen mit ihrem Evangelio zur Hülfe eilen müssen, als eben dieser Zustand, in welchen die Juden Rußlands auf ihren eigenen Wegen gerathen,sind. Auch die russische Regierung hat es erkannt, daß der jüdischen Jugend und der jüdischen Schule aufgeholfen werden müsse. Dazu wachsen die jüdischen Mädchen in Rußland der Regel nach ohne jeden Unterricht auf; selbst in der Religion werden sie nicht im Mindesten unterwiesen — wie sollen aber die Häuser reformirt werden, wenn die künftigen Mütter ihren Häusern so gar nichts Höheres mitbringcn. Nur die reichen und die freidenkenden Juden schicken ihre Töchter in die höheren christlichen Schulen, wo dieselben aber blos die weltliche Bildung erhalten und eines religiösen Unterrichts wie alle anderen Mädchen ihres Stammes entbehren. Die Knaben werden überdem bereits in den frühesten Jahren jenen oben geschilderten Schulen anvertraut und wachsen ohne jede mütterlose Erziehung auf — oder was ihre Mütter allein ihnen außer der Schulzeit mittheilen, da die Väter den ganzen Tag über außerhalb des Hauses beschäftigt sind, ist natürlich so trauriger Art, daß es, wie Gurland sehr richtig sagt, kein Wunder ist: „wenn dieses reich angelegte Volk jetzt in seinem Denken, Fühlen und Wollen sich so furchtbar materiell und flach zeigt. Die Armen haben keine Mütter." Die Regierung hat nun seit 1844 die jüdischen Schulen (Chedcr, Chadarim) ihrer Aufsicht unterstellt. Jetzt gibt cs Schulen dreier Kategorien 1) niedere oder Elementarschulen, 2) mittlere Schulen und 3) Rabbinerschulen (Jeschibot). Die von der Re-