Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 31 (1875)
- Issue
- 7-8 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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115 Wie sieht er ans? Die Kinder streckten ihre Hündchen nach oben und unten aus, um die Form des Aleph darzustctteu. „Und was ist das?" — „Beis! Beis!" (So sprechen nämlich die Juden diesen Buchstaben aus.) — Wie sieht er aus? Wie ein offenes Grab! (Das soll nämlich die Form des Beth sein u. s. w.) „Dies ist die alte Methode — bemerkte der Lehrer — mit der neuen gcht's ganz anders. Nun kommt die neue Methode!" Ans einer Bankccke lagen verschiedene Papierschnitzcl, auf denen die einzelnen Buchstaben und Vokale des hebräischen Alphabets geschrieben standen; dieselben wurden von einem älteren Schüler der Reihe nach geordnet, während der Hülfslehrer einen etwas kürzeren Stab in die Rechte nahm und sprach: „Das ist der Wnnderstab, mein Herr! sehen Sic!" Er berührte mit dem Stabe einen Papierschnitzel, der an der Spitze stecken blieb, hob ihn in die Höhe und fragte: Was ist's? Die Kinder schrien: Aleph! Aleph! Schnell griff er mit dem andern Ende des Stabes einen andern Schnitzel, worauf ein Komez stand. Komez! Komez! schrieen die Kleinen wieder. Nun aber kam das Wunderwerk. Mit einer affenartigen Geschwindigkeit drehte er jetzt den Stab, bald das eine, bald das andere Ende in die Höhe. Komez, Aleph! sprachen die Kinder, O! O! O! — Er warf den ersten Buchstaben fort und griff statt seiner das Beth; die Kinder schrien: Bo! Bo! Bo! Das Wunder wiederholte sich mehrere Male. „Das ist meine eigene Erfindung", sagte der Hülfslehrer mit großer Selbstzufriedenheit. Das war nur der Positiv. — Jetzt aber kommt der Komparativ des zweiten und der Superlativ des dritten Hülfslehrers. Die zweite Gruppe war unterdessen mit hebräischem Lesen beschäftigt. An der entgegengesetzten Wand war ein Blatt aus einer hebräischen Bibel mit Stecknadeln befestigt, worauf ein rothhaariger Knabe, der Sohn des Rebbe Schepssele, der schon Adjunkt des Vaters ist, mit einem Stabe schlug, indem er schrie: Bereschis! Boro! Elohim (im Anfänge schuf Gott); die Kinder sprachen wie Papageien nach: Reschis! Heischis! Berro! Schore! n. s. w. Eine babylonische Sprachverwirrung! Aber das Beste kommt noch. Der dritte Hülfslehrer hatte den Schreibunterricht. Kaum daß er das Wort „Schreibele" ansgesprochen, worauf seine Gruppe, die aus den ältesten Kindern, etwa von 7—12 Jahren besteht, schon lange gewartet hatte, so warfen sich die Kinder auf die Erde, jedes mit einer Kohle versehen, und das Schreiben aus 8*