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Dibre Emeth · 1875-01-01 · 7-8 (1875) · page 18

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
31 (1875)
Issue
7-8 (1875)
Date
1875-01-01
Page
– (sequence 18)
Language
German
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114 her ein trübes Licht. An den vor Nässe triefenden Wänden stehn drei übcreinandergebrachtc Bänke, die als Schlafstellen für die zahlreichen Kinder der Bewohner des ganzen Hauses dienen, dennoch aber nicht ausrcichen, um allen zu gleicher Zeit die Ruhe zu gewähren, so daß ein Theil der Kinder von 8—12 Uhr schläft und dann geweckt wird, um den andern Platz zu machen. Kein Ofen ist im Zimmer, die animalische Wärme der Kinder muß das Heizen ersetzen. Die Atmosphäre ist entsetzlich, über dem ganzen Raume liegt ein dicker Nebel, durch den erst allmählig das Auge dringt. Unter der Kinderschaar arbeitet der Lehrer mit drei Gehülfen, daneben aber treiben die Frau Lehrerin und ihre vier erwachsenen Töchter, von denen die Vcrheirathete einen Säugling auf dem Schoße hält, ihr Wesen. Die Schulkinder schreien zeitenweise alle durcheinander und lernen, jedes, so gut es kann, die ihm aufgegebene Lektion. Pastor Gurland frägt den Schulmeister, wie viel Kinder er zu unterrichten habe; 185, lautet die Antwort; „aber alle können freilich nicht auf einmal kommen, sonst würde der Platz nicht ausreichen; heute sind 130 gegenwärtig, die andern gehn indeß betteln, denn wovon sollten sie bei der entsetzlichen Armuth der meisten unter ihren Eltern leben?" — Und dabei war dies noch nicht einmal eine Schule für die ärmsten Kinder, sondern dieselbe gehörte schon zu den verhältnißmäßig besser situirten; die meisten andern müssen sich für die gleiche Anzahl von Kindern mit nur einem Lehrer begnügen. Ebenso traurig wie das Lokal pflegt aber auch der Unterricht zu sein; mau höre beispielsweise, wie Gurland denselben vorfand, und meine nicht, hier eine Ausnahme kennen zu lernen; denn jüdische Federn beschreiben die allgemeine Regel genau in derselben Weise. Pastor Gurland erzählt: „Die 130 Kinder, welche anwesend waren, theilten sich auf ein Signal des Lehrers in drei Gruppen, an deren Spitze die Hülfslehrer traten. Gleichzeitig begannen dann alle drei, indem jeder seinen Stab in die Höhe hob, ihren Unterricht folgendermaßen: „Aufpassen, ihr verfluchten Plaudermäuler, reißt eure Augen auf!" Es geschah. Aller Augen richteten sich nach einem Punkte an der Wand, wo ein altes kaum noch leserliches hebräisches Alphabet angebracht war. Indem der Lehrer mit seinem Stabe den ersten Buchstaben berührte, schrien die Kleinen alle zusammen: Aleph! — Noch einmal! — Aleph! —

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