Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 31 (1875)
- Issue
- 7-8 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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113 so nackt ihre Umsturzbestrebungcn zu Tage treten zu lassen. Einstweilen müssen die Waffen des Witzes und Spottes das alte talmndische Haus angreifcn, und die Gegner sind diesen Angriffen ans ihrem eigenen Lager her gar wenig gewachsen. Die nächsten Jahrzehnte werden jedcsfalls das einstweilen erst noch unter der Oberfläche schwelende Feuer zu hellem Brande herausbrcchcn lassen und dann werden, je gewaltiger auf der andern Seite der Fanatismus der Chasidim wächst, desto heftiger die Geister aufeinander platzen. Sollten alsdann die Reformer den Sieg behalten, so würden damit jedoch durchaus noch nicht die bisher allgemein beklagten Uebelstände sortfallen. Die Reform hat ja nirgends die sociale Krankheit der jüdischen Gesellschaft auch nur gemindert. Trotz aller Reform sind die Juden überall der Produktion fern geblieben, und tragen z. B. an den Konvulsionen der modernen Börsen eine besonders große Schuld. Das also ist die gegenwärtige Lage und der gegenwärtige Zustand des russischen Judenthums. Wachsende Konflikte nach Außen und Innen stehn bevor. Durch die Mittel der Politik, des Unterrichtes und der Kultur wird der Zündstoff, wie wir schon jetzt sehn, nur gemehrt; wo soll die Hülfe Herkommen? Offenbar kann die Entwickelung nur dann in heilsame Bahnen gelenkt werden, wenn unter den Juden ein neuer Sinn, eine völlig neue Lebensrichtnng und ganz andere Beschäftigungen zur Herrschaft kommen. Man hat von einer besseren Schulbildung der russischen Juden eine Heilung aller ihrer Schäden erwartet. Nun allerdings sind gerade die Unterrichtsverhältnisse derselben solcher Art, daß sie jedem Fortschritte zum Besseren im Wege stehn. Or. Weber in seinen „Reise-Erinnerungen aus Rußland" und ebenso jüngst Pastor Gurland in „Saat und Hoffnung", Johanni 1875, haben uns einen Blick in die Schulvcrhältnisse der russischen Juden eröffnet, der uns mit tiefem Mitleide gegen eine Jugend, die in solch entsetzlicher Schulthrannei aufwächst, erfüllt, und haben es nur zu erklärlich gemacht, warum die jüdische Reform das Bisherige von Grund aus Umstürzen möchte. Wir werden z. B. in eine Elementar-Schule der Stadt Wilna geführt. Dieselbe befindet sich tief unten in einem Kellerraum, zu dem man nur auf ganz dunklen Wegen gelangt. Das Schullokal selbst ist ein sehr niedriges Zimmer, 21 Schritt lang, 8 Schritt breit und erhält durch kleine schmutzige Fenster vom Hose 8