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Dibre Emeth · 1875-01-01 · 7-8 (1875) · page 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
31 (1875)
Issue
7-8 (1875)
Date
1875-01-01
Page
– (sequence 16)
Language
German
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112 Seele zu bekämpfen; seine Sache sei es nur, den Kampf aufznnchmeu, der dann auch mit dem Siege enden werde und den Israeliten dahin bringen könne, Gott und den Juden zu lieben und für Beide sich selbst zu verleugnen. Ein guter Chasid aber sei und selig werden könne nur der, in welchem die göttliche Seele sich stärker als die thicrischc beweise; doch sei es auch möglich, daß die thicrischc Seele durch fortgesetzten Kampf völlig ertödtct werde und alsdann im Menschen gar nicht mehr vorhanden sei. Dies die Lehre der Chasidim. Im Ucbrigen beobachten sic alle talmudischen Satzungen, ja, fügen sogar Einzelnes hinzu. Die rechte Versenkung in Gott suchen sic aber durch das Gebet zu erreichen. Dabei halten sie körperliche Erregung für ein vortreffliches Mittel, um die Erhebung des Geistes zu befördern. Tanzen, Singen, Weinen, Klopfen mit Händen und Füßen, gegenwärtig oft auch ein reichlicher Branntweingenuß, begleiten deshalb die Andachtsübungen und lassen die Versammlungen nicht selten wie Zusammenkünfte von Rasenden erscheinen. Ihre berühmten Rebbes sind leider zum Theil recht eigentliche Betrüger und Geldschneider, die sich ihr Wunderthun und Weissagen sehr gut bezahlen lassen. Immerhin beruht der Chasidismus der Hauptsache nach auf einem tieferen religiösen Bedürfniß und veranlaßt gar manche seiner Anhänger, eine höhere als jene gar zu oft rein äußerliche und ebenso hohle als anmaßliche Frömmigkeit der größten Zahl der Mißnagdim zu erstreben. Kein Wunder, daß er bereits eine Macht unter den russischen Juden geworden ist; man schätzt die Anzahl der Chasidim in Rußland bereits auf etwa 300/000. Die Karaiten in der Krim und dem Kaukasus dagegen sind nur eine kleine jüdische Sekte, überdem, wie gesagt, jedcssalls mit sehr vielen Proselyten vermischt. Nach ihren Grundsätzen soll nicht die mündliche Lehre des Talmud, sondern nur das geschriebene Wort der Schrift gelten. Trotzdem bedienen sie sich zweier Bücher, die unter ihnen nicht minderes Ansehen als der Midrasch und der Talmud bei den Mißnagdim genießen, nämlich: Leckar Mizwoth und Adereth Elijahu. Von weit größerer Bedeutung ist das neuerwachende Reformjudenthum. Die Jugend zumal, welche die moderne Bildung zu genießen beginnt, fängt an, immer entschiedener dem talmudischen Wesen den Rücken zu kehren, wenn sic cs auch noch nicht wagen darf.

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