Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 31 (1875)
- Issue
- 7-8 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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111 reißt, indem der Berührungen mit der umgebenden christlichen und nationalen Welt immer häufigere, indem also überall Lücken in die alte Mauer gerissen werden, sieht man sich in Kämpfe und Versuchungen verwickelt, von denen die frühere Zeit nichts wußte, und gegen die man sich mit den talmudischen Waffen nur völlig unzureichend gewappnet erkennt. Die Folgen sind sehr ersichtlich. Das altorthodoxe Judenthum verliert in stets wachsenden Progressionen an Terrain. Diejenigen, welche auf Kosten des TalmudiSmnS oder der Mißnagdim ihre Reihen verstärken, sind vor Allein: Die Chasidim. Vom Talmud allein nicht befriedigt und doch energisch daran festhaltend, daß Israel das Gottesvolk sei, haben sie sich stärkere Waffen gesucht, als die, welche heute noch der Talmud dein Gemüthe und Herzen zu bieten hat, und mit welchen er seine Anhänger gegen die Feindschaft der umgebenden Welt zu wappnen vermag. So haben sie denn neben den Talmud den Sohar und die Geheimlehre desselben als Ergänzung des crstercn gestellt. Der Sohar soll sie in eine engere und innigere Gemeinschaft mit Gott führen. Daher wird von ihnen die Askese als Mittel, Gott zu versöhnen, angepriesen und besonders die Vermittelung von Personen (Zadikim), welche um ihrer Frömmigkeit willen Gotte näher stehn sollen, mit Eifer angesprochen. Rabbi Salman von Lubawitsch bei Witebsk hat der Sekte in der Mitte des vorigen Jahrhunderts neue Lebenskraft verliehen. Derselbe hob hervor, daß Gotte durch bloße Formen unmöglich gedient sein könne, da er ja doch ein Geist sei. Deshalb müsse er denn auch im Geiste angebetet werden. Die äußeren Gebote und Ceremonien seien nur erziehliche Büttel, die man deuten müsse, um ihren eigentlichen Sinn und Zweck zu verstehen. Sie seien gegeben, um den Juden zu veranlassen, nach Innen zu blicken und den Kampf gegen die inneren Lüste und Begierden aufzunehmen. Darüber werde der Jude aber zu der Erkenntniß kommen, daß er zwei Seelen habe, eine göttliche, welche sich in der rechten Herzkammer befinde, und eine thierische in der linken Herzkammer. Die göttliche, aus Gott selbst stammende und ihm ursprünglich anerschaffene Seele sehne sich stets nach der Vereinigung mit Gott; die thierische dagegen, die mit der Erbsünde ihren Einzug gehalten habe, wolle den Menschen beständig zur Sinnlichkeit verleiten. Vermöge jener göttlichen Seele besitze aber der Jude die Kraft, die thierische