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Dibre Emeth · 1875-01-01 · 7-8 (1875) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
31 (1875)
Issue
7-8 (1875)
Date
1875-01-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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109 rung, und eben dadurch werden die übrigen gesellschaftlichen Unterschiede stets leicht ausgeglichen. Die Religion wird auf diese Weise zu einem neuen gesellschaftlichen Bande und VereinignngSmittcl. Und wieder, weil cs das Privilegium des Geldes ist, demjenigen, welcher sich durch Gelehrsamkeit keine Verdienste erwerben kann, wenigstens an zweiter Stelle die Gelegenheit, Werke, die Gottes Gnade zur Folge haben, zu verschaffen, so ist nun auch inmitten der Juden der Drang zur Uebung umfangreichster Wohlthätigkeit erwacht. Durch diese kann sich ein Mensch eine Sühnung für seine Sünden verschaffen, und Keiner läßt sich eine günsttge Gelegenheit, sein Verdienst vor Gott zu mehren, so leicht entgehn. Aber daneben bleibt freilich des Schlimmen sehr viel. Die Frömmigkeit sinkt gar zu leicht zur bloßen Wissenssache herab und übt keinen den ganzen Menschen veredelnden Einfluß aus. Unter der einseitigen Vcrstandesrichtung nimmt das WahrhcitSgefühl ab und die Rechthaberei tritt an ihre Stelle. Das gegenseitige Sichüberbieten im Wortgefecht zerstört den Sinn für das Einfache und Natürliche und wird zur krankhaftesten Sucht; das unruhige dialektische Jagen und Hetzen wird so sehr zum Normalen, daß Alles bei diesen Juden die Neigung zum Extremen annimmt. Dialektische Kunst und Schlagfertigkeit im Disputireu, Spitzfindigkeit und die hohlste Wortklauberei werden zur Religion. Rein äußerliche Satzungen, Hebungen und Leistungen verleihen dem, der sie eben nur übt und beobachtet, einen heiligen Charakter; die Religion wird ein Handelsgeschäft zwischen Gott und dem Menschen, in dem sich der Mensch bald möglichst billig bei ihm abzukaufen, bald auch wieder durch eine große Zahl von Frömmigkeitsäußerungen (und oft schon bereits für die Zukunft im Voraus) ein Kapital vor Gott zu erwerben trachtet. Eine sorgfältig und hochaufgerichtete Mauer steht zwischen den Gewissen und ihrem Gott und läßt das Zeugniß der Wahrheit nur ungemein schwer bis an die Herzen dringen. Die h. Schrift kommt über den talmudischen Satzungen kaum zum Worte; nur bis zum siebenten Jahre hat sich der Knabe dieselbe einzuprägen, die übrige Zeit gehört dem Talmud, als dem viel wichtigeren Codex der Religion. Mangelnde Talmudkunde versetzt den Juden, mag er sich auch sonst im Leben brav zu halten suchen, ganz ebenso wie die Gesetzverächtcr unter die Amorez; er gehört um deßwillen zu dem Pöbel des Volkes.

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