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Dibre Emeth · 1875-01-01 · 7-8 (1875) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
31 (1875)
Issue
7-8 (1875)
Date
1875-01-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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107 fordert. Die meisten Stimmen ließen sich hieraus aber nur dahin vernehmen, daß mau den Juden neue Beschränkungen ausencgc» möge, ohne dabei jedoch einen positiven Ersatz für den Ausfall der bisher ihnen zustehcndcn Rechte zu nennen. Andere schlugen dagegen vor, daß die Regierung den Inden ebensogut wie allen andern Rcligivnsbekennern die Freizügigkeit im ganzen Reiche gestatten solle; denn sobald die Juden sich hin Und her zerstreuten, niiisse man glauben, würde der bisherigen Verkümmerung ein Ziel gesetzt, und die Gefahren, welche einer Gegend drohten, die sich bisher ganz in den Händen der daselbst dicht gedrängt wohnenden jüdischen Bevölkerung befände, würden gemindert werden. Die Regierungs-Kommission konnte von diesem Vorschläge aber keine ernstliche Besserung der Verhältnisse erhoffen. Sie wies darauf hin, daß z. B. die Muhamedaner im Gouvernement Orenburg, wo sie der christlichen Bevölkerung an Zahl gleich sind, trotz dieser Zusammcndrängung nicht verkümmerten und ebensowenig das Verlangen nach Uebersicdclnng in andere Gouvernements kundgäben. Sie fürchtet überdem, daß, wenn die Juden in größerer Zahl die anderen Gegenden des Reiches bewohnen würden, sich alsdann die Überaus traurigen Verhältnisse, welche an den bisherigen Wohnsitzen hervorgetreten sind, auch ans diese übertragen könnten, und will die Verantwortung hierfür nicht übernehmen. Und allerdings liegt ja diesem Verlangen der Juden, sich über daö ganze Reich verbreiten zu dürfen, nur der Gedanke zu Grunde, daß ihnen ein größeres Gebiet für ihren Handel erschlossen werden möge, während doch, wenn die Verhältnisse ernstlich gebessert werden sollen, die Frage vielmehr dahin geht, wie die Juden aus dem bloßen Handelswesen zu produktiver Arbeit hinübergeführt werden können? So kann denn aber beiden Theilen auch nur dann geholfen werden, wenn eine völlige soziale Neugestaltung unter den Juden Rußlands Platz greift. Wir sehn jedoch, daß die bisherigen Versuche in dieser Richtung ohne Erfolg geblieben sind. Offenbar muß deshalb der ganze jüdische Organismus in einen gründlicheren Heilungsprozeß eintreten. Wie aber soll das geschehn? Diese Frage führt uns dahin, genauer auf die innere Verfassung und die eigentlich treibenden Faktoren in dem Leben der russischen Juden unser Augenmerk zu richten. Rußland war bisher die Burg der jüdischen Rechtgläubigkcit,

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