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Dibre Emeth · 1875-01-01 · 7-8 (1875) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
31 (1875)
Issue
7-8 (1875)
Date
1875-01-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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106 schlag geneigte Elemente. So kam cs, daß, wo die bisherigen Schankwirthe zu Neujahr verschwanden, sie die Thiiren der Schänken verschlossen und den Bauern, welche dieselben öffnen würden, mit Prozessen drohten. Die Bauern beschwerten sich, mußten aber, so lange der Streit vom Gerichte nicht entschieden war, ihre Branntweinfässer Im Freien liegen lassen. Oft auch wurden Bauern gewonnen, in der neuen Schänke Händel anzufangen, bei denen dann die Fässer der Bauern zerschlagen wurden, und thcilwcise waren die Letzteren gezwungen. Tag und Nacht bei ihrem Eigenthum Wachen aufzustellen. Wo die Bauern aber durch Geduld und Ausdauer endlich die Oberhand behielten, führten sie eine neue Schankordnung ein; sie bestimmten, daß Niemand auf Borg oder gegen gelieferte Naturalien Branntwein erhalten sollte, sondern allein für baares Geld — eine Einrichtung, die selbstverständlich eine treffliche Schranke gegen die ausschweifende Trunksucht bildet. Wie aber ans der zu starken Betheiligung der Juden am Branntweinhandel, so erwächst dem russischen Reiche nicht minder daraus eine Gefahr, daß der Schmuggel an der Wcstgrenze vor Allem in jüdischen Händen liegt; und erklärlich ist es deshalb, wenn die Regierung vielfach daran denkt, den Juden nur bis auf eine gewisse Entfernung von der Grenze das Wohnen zu gestatten. Doch alle diese Maßregeln können natürlich nichts Durchgreifendes helfen. Es müßte vielmehr positiv ganz ernstlich daran gedacht werden, wie man die allgemeine Lage der russischen Juden verbessern könnte. Denn allerdings hat es die jüdische Bevölkerung jener Gegenden bei der Einseitigkeit ihrer Beschäftigung selbst in keiner Weise zu einer befriedigenden Existenz gebracht. Wie sie ihre Umgebung vielfach nicht vorwärts kommen läßt, so lebt sie auch selbst im Allgemeinen in großer Dürftigkeit, ja vielfach in der bittersten Armuth. Ihre WohnungKverhältnisse sind wohl die traurigsten in ganz Europa, und für ihre Ernährung finden viele Tausende gerade nur so viel, um eben nicht zu verhungern. Ihr Gesundheitszustand ist daher ein sehr unbefriedigender, und die Konstitution sehr Vieler eine äußerst schwächliche. Sehr wichtig ist es deshalb, daß die Regierung gegenwärtig der ganzen Angelegenheit mit der Frage: „Wie die Juden des Reiches mehr zu produktiver Arbeit herangezogen werden könnten" nahe zu treten Willens ist. Sie hat in der That überall Gutachten in diesem Sinne eilige-

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