Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 31 (1875)
- Issue
- 7-8 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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bezahlte Landmann hat eben nur so viel, um sein Leben fristen zu können. Andererseits hat die beständig zunehmende Bevölkerung bei der nur langsamen Entwickelung der Industrie des Landes das Gleichgewicht zwischen den Producenten und den Kaufleuteu fast ganz erschüttert. Jede Waare muß, ehe sie zum Konsumenten gelangt, erst durch viele andere Hände gehen, so daß sie bedeutend vcrtheuert wird. Dies führt aber zu einer außerordentlichen Zersplitterung des Handels und der Kapitalien, und es wäre daher im Interesse des ganzen Landes höchst wünschenswert!), wenn ein Machtwort der Regierung den Juden nur an einigen Orten wie Berditschew, Bielaja-Zerkow, Balta, Kamenetz-Podolsk zu handeln erlauben würde." Die letzte Kur wäre freilich eine gar zu gewaltsame. Ein Schade, der sich so lange eingcfressen hat, muß vorsichtiger behandelt werden. Aber allerdings — von der Arbeit, welche darauf ausgeht, Alles im tiefsten Fundament besser zu machen, für's Erste einmal abgesehen — ist cs dringend nöthig, daß die jüdische Bevölkerung Rußlands mit allem Ernst und Eifer durch gesetzgeberische Schritte dem bloßen Handelsleben entzogen und allmählich zu produktiver Thätigkeit herangebildet werde. Das Uebel darf nicht weiter wuchern, daß ein Volksstamm, der nach Millionen zählt, fast nichts zur Produktion des Landes beiträgt, sondern lediglich von dem sauren Schweiße der übrigen Bevölkerung lebt; beiden Theilen, wie wir eben gehört haben, bringt das keinen Segen, sondern dieser Zustand der Dinge verhindert, wo er herrscht, jeden Aufschwung zum Besseren und entzieht dem Volkskörper unaufhörlich die besten Säfte. Die russische Regierung hat sich gegen diese Lage der Dinge keineswegs die Augen verschlossen. Schon bald nach der Erwerbung der südlichen Provinzen ließ sie es sich angelegen sein, auch Juden;n denselben auzusiedeln und sie zur Landwirthschaft zu bewegen. Aber sie machte dabei die traurigsten Erfahrungen. „Von den Häusern, die man ihnen gebaut, und die sie allerdings so wenig, wie das ihnen geschenkte Ackerland verkaufen durften, hatten sie in kurzer Zeit alle Thürcu, Fensterrahmen, Nägel und was irgend beweglich zu machen war, verkauft, zogen hausirend umher und drängten aus jede mögliche Weise nach den Städten. Ebensowenig sind sie zu chweren Manufaktur- und Fabrikarbeiten zu bringen, und bleiben