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Dibre Emeth · 1875-01-01 · 5-6 (1875) · page 25

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
31 (1875)
Issue
5-6 (1875)
Date
1875-01-01
Page
– (sequence 25)
Language
German
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89 so ist auch sein Sterben ein Zeugniß von der Wahrheit der göttlichen Verheißung: „Die Mich ehren, will ich wieder ehren". Trotz des hohen Alters von beinahe 80 Jahren erfuhr er in geistlichem Sinn mit Moses, daß „sein Auge nicht dunkel geworden und seine Kraft nicht verfallen war". Sein Glaubensauge ward nicht verdunkelt und seine Geisteskraft nicht verringert, selbst in der Stunde des Todes. Wir stehen in Gedanken einen Augenblick an seinem Sterbebett. Dort in dem Gemach, wo eine liebevolle und besorgte Gattin viele Tage und Nächte an seiner Seite gewacht hat (Capadose hatte einen schwachen Körper), herrscht eine Stille, die zu erkennen giebt, daß die Seele im Begriff ist, der Hülle des Fleisches ein letztes Lebewohl zuzurufen. Dort liegt Capadose, zwar in Schwachheit und Leibesschmerzen, aber doch in voller Geisteskraft, bereits die Gemeinschaft genießend mit dem Lichte, nach dem sein Auge unverrückbar gerichtet war. Am Morgen des 16. Dezembers gab er das Verlangen kund, daß die Seinen mit ihm ein Lied zu Gottes Ehre anstimmen sollten; es ist der Anfang der herrlichen Worte von Psalm 42, nach denen seine Seele verlangte. Sie sangen, und er sang mit: „Wie der Hirsch schreiet nach frischem Wasser, so schreiet meine Seele, Gott, zu Dir. Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann werde ich dahin kommen, daß ich Gottes Angesicht schaue?" lind nun strömt er seine Seele aus in einem Gebet mit den Seinigen, mit denen er sich noch ein letztes Mal vor dem Throne Gottes beugen wollte; ein einstimmiges, vielsagendes Amen folgt auf sein feuriges Gebet. Später am Tage bringt ihm seine Gattin eine Tasse mit einem erquickenden Trank für seine durstigen Lippen an's Bett. Er nimmt ihn, schaut empor und ruft mit Entzücken aus: „Was haben sie gethan? Sie haben mir einen Trank gereicht, und ich soll ihn trinken? Und das an meinem Krönungstage? Weg damit, es ist heute mein Krönungstag!" — Hieraus folgte eine Stille, während deren er sich im Geiste labte an der Aussicht auf die Krone der Gerechtigkeit, die er im Glauben bereits empfing. — Wieder öffnet er den Mund und zwar wieder mit dem Ersuchen, daß gesungen werden möge: „Amen! Jesus Christus Amen! rc."

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