Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 31 (1875)
- Issue
- 5-6 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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85 nahmen wir schriftlich Abschied von der Synagoge. Ich richtete an die Vorsteher der portugiesisch-israelitischen Gemeinde ein Schreiben, worin ich ihnen zwar das Recht einräumte, mich nicht mehr als zur Synagoge gehörig zu betrachten, jedoch zugleich feierlich erklärte, daß ich Israelit bliebe, aber ein solcher, der seinen Messias gefunden habe und dessen aufrichtige Wünsche unablässig dahin gerichtet sein würden, daß seine Brüder nach dem Fleische bald zurückkehren möchten zu dem Herrn ihrem Gott und zu David ihrem Könige. Wenige Tage nach meiner Taufe empfing ich einen Brief von meinem Oheim, worin er mir anzeigte, daß ich, nach dem Vorgefallenen und wegen einiger in seinem Hause getroffenen Einrichtungen, bei meiner Rückkehr nach Amsterdam nicht wieder bei ihm wohnen könne; daß er mir zwar nicht verbiete, ihn zu besuchen, sich aber ausdrücklich Vorbehalte, daß ich niemals mit ihm über meine Gesinnungen spräche. Bei meiner Zurückkunft nach Amsterdam miethete ich eine ganz kleine Wohnung im dritten Stock; hier mit meinem Gott allein, empfandich eine Himmelsfreude und einen Frieden, der alles Verstehen überstieg." Anfangs war die ganze Familie gegen den Neubekehrten tief erregt. Nur der Bruder bildete stets ein gewisses Vermittelungsband. - „Allmählig trat in meiner Familie eine andere Stimmung in Hinsicht meiner hervor; schon wurden sogar die Grundsätze des Christenthums nicht blos in ihrer Mitte geduldet, sondern, ich möchte sagen, geachtet. — Endlich durch Gottes Güte fing auch mein Vater an, ruhiger zu werden; er gab den Wunsch zu erkennen, mich zu sehen, und so hatte ich denn nach einer Trennung von ungefähr einem Jahre das Glück, ihn mit einer zärtlichen und tiefen Rührung, und zwar noch an jenem Schreckensorte, wo er übrigens Alles hatte, was er wünschen konnte, an mein Herz zu drücken. Bereits hatte ich ihn zum dritten Male wieder gesehen; es besserte sich immer mehr mit ihm, und wir hatten die Hoffnung, ihn bald in die Mitte der Seinigen zurückkommen zu sehen. Es war auf den gegen mich gehegten Haß, durch des Herrn Güte, viel Zärtlichkeit gefolgt; ja ich fand sogar, daß das Her; meines Vaters meinen Rathschlägen nicht ganz verschlossen und nicht unempfindlich gegen meine inständigen Bitten war, wenn ich ihn beschwor, sich