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Dibre Emeth · 1875-01-01 · 5-6 (1875) · page 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
31 (1875)
Issue
5-6 (1875)
Date
1875-01-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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84 Gattin wohnte, dessen Schriften und Unterhaltung einen so wesentlichen Einfluß auf uns ausgeübt hatten. Wir reiseten im Monat September nach Lehden ab, mein Freund, seine ihm gleichgesinnte Gattin und ich. Wir wurden mit offenen Armen und mit einer wahrhaft väterlichen Liebe von den würdigen Freunden ausgenommen, die einen so lebhaften Antheil an unseren Kämpfen genommen hatten. Wer mußte mehr als sie die himmlische Freude mitgenießen, welche unsere Seelen überströmte! Der 20. Oktober 1822 war der so heiß ersehnte Tag, an welchem wir feierlich in die christliche Kirche ausgenommen wurden. Nach Anordnung des Pfarrers, eines ehrwürdigen Greises, vor dem wir unser Glaubensbekenntniß abgelegt hatten, waren vor der Kanzel und im Angesichte der Versammlung drei Kissen hingelegt. Da knieten wir nieder vor dem Gott unserer Väter, der da ist der wahre Gott, Vater, Sohn und heiliger Geist; da hatten wir die unaussprechliche Freude, wir unwürdigen und elenden Sünder, auf unserer Stirn das Zeichen und Siegel des Gnadenbundes zu empfangen, und in der Mitte der christlichen Kirche den gepriesenen Namen des großen Gottes und Heilandes zu bekennen, der gekommen war, uns zu suchen, als wir verloren waren. Gelobt sei Gott! Der von dem Pfarrer für die Predigt an diesem Tage gewählte Text war Röm. 11, 5: „Also auch jetzt zu dieser Zeit sind deren noch Uebergebliebene vorhanden nach der Wahl der Gnade"*). — Wahl der Gnade! Das ist die Schlußfolge alles bisher Gesagten; das ist in Kürze die Geschichte meiner Bekehrung; es ist die jeder andern göttlichen Gnadenwirkung; Gnade, welche leitet, welche erleuchtet, die uns Kraft verleiht, um Jesu willen zu leiden, die da tröstet, die zu Christo hinzieht, die den Glauben giebt, welche rechtfertigt, indem sie die Gerechtigkeit des Bürgen zurechnet; Gnade, welche wiedergebieret, welche heiligt; kurz, Gnade um Gnade, und zum Preise des Gottes, dessen freie und unverdiente Erwählung, vor der Grundlegung der Welt, die Urquelle aller Gnade und aller Glückseligkeit ist. Am Tage vor dem öffentlichen Eintritt in die christliche Kirche *) Oder nach Luther's Uebersetzung: „Also gehet es auch jetzt zu dieser Zeit mit diesen Uebergebliebencn nach der Wahl der Gnaden".

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