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Dibre Emeth · 1875-01-01 · 5-6 (1875) · page 17

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
31 (1875)
Issue
5-6 (1875)
Date
1875-01-01
Page
– (sequence 17)
Language
German
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81 mußte, niemals wieder hat der Mund dieses unglücklichen Greises in meiner Gegenwart sich geöffnet, den Namen Christi zu lästern... Preiset Gott mit mir, Alle, die ihr dieses leset; denn er ist es, der bei diesem Anlasse seine Treue gegen eines seiner armen Kinder an den Tag brachte. Meine Familie konnte sich indessen nicht darüber trösten, daß ich in meinem Entschlüsse beharrte, ungeachtet alles dessen, was versucht worden war, mich davonabzubringen, und man verfuhr gegen mich mit steigender Härte. Es war dies die Zeit der herbsten Prüfungen für meine Seele. Selten traf ich, es mochte in dem Hause meines Oheims oder bei meinen Eltern sein, einen der Meinigen, von dem ich nicht empfindliche Kränkungen zu ertragen gehabt hätte. Eines Tages, es war in dem väterlichen Hause, faßte mein Vater, dessen heftige Gemüthsart schon oft gegen mich ausgebrochen war, mich beim Arm und führte mich in das Zimmer meiner armen Mutter, welche vor Kummer krank geworden war. Ich sehe sie noch, wie sie, in die größte Traurigkeit versunken, in einer Ecke saß; sie war wie vom Schmerze zu Boden gedrückt. „Da siehe," sagte er zu mir, „das ist dein Werk; du bist der Mörder deiner Mutter!" — Man denke sich, was ich in dieser Lage empfinden mußte; nie war ich noch so ergriffen gewesen, und ich muß bekennen: Was Verfolgungen nie vermochten, das hätten die Thränen und der schreckliche Leidenszustand, worin ich meine arme Mutter sah, bewirken können. Ich fühlte meinen Glauben erschüttert und erkannte, daß die Flucht das sicherste Mittel für mich sei; ich hatte einen Augenblick fürchterlichen Kampfes; endlich stürzte ich aus dem Zimmer und stoh, als fürchtete ich mich vor mir selbst, aus dem väterlichen Hause. Ich rannte durch die Straßen, ohne zu wissen, wohin, und meine Schritte richteten sich nach dem Stadtthore hin. Wer weiß, wie dieser Tag für mich geendet hätte, wäre ich nicht von dem Arme des Herrn gehalten worden. Kaum hatte ich den Fuß auf die Brücke gesetzt, als ein glänzender Regenbogen sich vor meinen thränenseuchten Augen wölbte und meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Das Zeichen der göttlichen Verheißung erfassend, sagte ich zu mir: „Siehe da, der Gott des ewigen Bundes!" Und im nämlichen Augenblicke war alle meine Bangigkeit gestillt; mein Glaube erstarkte, und der Geist Gottes goß lindernden Balsam auf die Wunden meines Herzens. 6

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