Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 31 (1875)
- Issue
- 5-6 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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80 eine große Stütze, und ich fand bei ihm großen Trost. Als endlich mein Oheim sah, daß gütliche Mittel meine religiösen Ueberzeugungcn nicht auslöschen konnten, und deshalb besorgte, ich würde mit einem öffentlichen Bekenntnisse hervortreteu, nahm er seine Zuflucht zu Mitteln anderer Art, die aber das Gegentheil von dem herbeiführten, was er erwartet hatte. Es gab keinen bitteren Spott, keine Demüthigungen, keine Verachtung, selbst keine Härte, die ich nicht unaufhörlich von ihm zu erdulden gehabt hätte, und obgleich es mir, leider! mehr als einmal begegnete, sie gereizt zurückzuweisen, so darf ich doch zum Lobe Gottes sagen, daß es mir mehrentheils verliehen wurde, im Stillen zu leiden und meinen Kummer in das Herz meines Erlösers auszuschütten, bei dem ich schon so süße Tröstungen geschöpft hatte. Ich beklage mich nicht über diese Prüfungen; ich muß diese dem Fleische hart ankommenden und peinlichen Erfahrungen im Gegentheil als wahre Segnungen Gottes betrachten, da sie mich im Glauben befestigten und mir stets zur Bestätigung der Wahrheit des Evangeliums dienten, dessen freimüthiges und offenes Bekenntniß jederzeit Verfolgungen aller Art mit sich führte. Eines Tages aber, als sich mein unglücklicher Oheim gerade allein mit mir befand, schien er es besonders daraus anzulegen, mich durch bittere und stechende Spöttereien zu betrüben; ich schwieg. Kühn gemacht oder gereizt durch mein Schweigen, wagte er eine Lästerung gegen Den auszustoßen, welcher der Gegenstand meiner Anbetung und eine überschwängliche Quelle des Trostes für meine Seele geworden war. Jetzt war der Augenblick da, zu reden. Ich stand auf und, vor ihn hintretend, sagte ich zu ihm: „Halten Sie ein! Bisher war meine Person allein das Ziel Ihres bittern Spottes, Ihrer beleidigenden Ausfälle, und Gott hat es mir verliehen, sie stillschweigend zu ertragen; nun aber fangen Sie an, Den zu lästern, welchen Sie nicht kennen; mäßigen Sie sich; sonst, ich erkläre es Ihnen vor Gott, der mich hört, verlasse ich Sie augenblicklich, wiewohl ich nichts auf Erden besitze, und erscheine nicht wieder in Ihrem Hause." Ich war entschlossen, Wort zu halten. Der feste" und ungewohnte Ton, mit welchem ich diese Worte sprach, — denn ich darf wohl sagen, daß Gottes Geist mich antrieb, so zu reden, — verfehlte nicht seine Wirkung. Durch was für Prüfungen und Trübsale ich auch seitdem noch gehen