Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 31 (1875)
- Issue
- 5-6 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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79 mich, ohne etwas zu sagen, mit Gott, meinem Erretter; denn bei bei dieser Gelegenheit hatte ich ihn mir so nahe gefühlt, daß ich ihn, so zu sagen, mit der Hand berührt hatte. Es war die Gegenwart des Adonai's meiner Väter, die mich aufrecht erhalten hatte und die von diesem Tage an meine Seele einen Trost empfinden ließ, den sie noch nie erfahren, eine Freude und eine Stärke, die sie nicht gekannt hatte. Unterdessen sah ich wohl, daß mein Oheim, obgleich durch diesen Auftritt beunruhigt, meinen Worten nicht die Wichtigkeit beigelegt hatte, welche sie verdienten. Ich beschloß also, nachdem ich mich in meinem Gotte gestärkt hatte, ihm andern Tages meine Erklärung zu erneuern. Wir waren, wie gewöhnlich, allein bei Tische; meinem Oheim schien die Sache ein wenig im Kopfe herumzugehen; aber er war doch recht freundlich gegen mich. Nach dem Essen nahm ich das Wort, diesmal aber mit Ruhe und Festigkeit, und sagte zu ihm, ich sähe leider, daß meine Erklärung vom vorhergehenden Tage nicht recht verstanden worden wäre, wodurch ich mich in die Nothwendigkeit versetzt sähe, sie ihm vor dem Angesichte Gottes zu wiederholen; und ich hegte die Hoffnung, daß er selbst einst die Wahrheit erkennen würde. — Er vermochte es nun nicht mehr, sich die Sache auszureden, es erfolgte ein herzzerreißender Austritt; er schlug sich auf die Brust, verfluchte seine Tage und rief in der Bitterkeit seiner Seele ans, daß ich seine grauen Haare mit Kummer in die Grube brächte. Diese Vorwürfe gingen mir durch's Herz; aber der Herr stärkte und tröstete mich, er schenkte mir die Gnade, dem theuren und ehrwürdigen Greise Zeichen der Liebe und Zärtlichkeit zu geben, die ihn etwas beruhigten. Den andern Tag theilte er meinen Eltern Alles mit, und es schien, als sei man unter sich übereingekommen, den Weg der Güte mit mir zu versuchen. Wer konnte wissen, ob diese Ideen, wenn man behutsam jede Unterredung über diesen Gegenstand vermieden hätte, in mir nicht wieder verflogen wären? Indessen nahm meine Familie gar bald wahr, daß dies etwas Unmögliches sei; ich fing sogar an, mich manchmal zu erkühnen, ihnen das Evangelium zu predigen, und, so oft sich die Gelegenheit dazu darbot, verhehlte ich meine Gesinnungen nicht mehr. — Mein vertrauter Freund, welcher seinen Vater einige Monate vorher verloren hatte und einer größeren Freiheit genoß, war mir in jener Zeit