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Dibre Emeth · 1875-01-01 · 5-6 (1875) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
31 (1875)
Issue
5-6 (1875)
Date
1875-01-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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76 gingen in ein anderes Zimmer, wo das Essen aufgetragen war.... Mein Herz schlug heftig, und ich pries Gott in meinem Innern, daß er mich diese Worte aus dem Munde eines Mannes hatte vernehmen lassen, dessen rabbinische Wissenschaft als Autorität unter den Israeliten galt. Alle diese durch Gottes Weisheit und Güte herbeigeführten Umstände dienten dazu, mich mehr und mehr zu überzeugen, daß in dem Christenthum allein die Wahrheit sei. Aber was anfänglich blos Bedürfniß meines Verstandes gewesen war, das war jetzt Bedürfniß meines Herzens geworden. Die Erkenntniß genügte mir nicht mehr, ich mußte lieben, und nun trugen die Strahlen der immer höher über uns aufsteigenden Sonne der Gerechtigkeit mit dem Lichte, das mich erleuchtete, mir auch jene belebende Wärme zu, durch welche ein Leben aus Gott in uns erzeugt wird. — Ich erkannte, daß aus Liebe der Herr mich zu suchen gekommen war; wohl fing ich nun auch an, meine Sünden, oder um es besser zu sagen, mein gänzliches Elend zu fühlen. Dieses Gefühl aber war wie versenkt in das der göttlichen Liebe. Auf diesem Standpunkte befand ich mich jetzt; ich hatte in Christo mein Leben gefunden, den Mittelpunkt meiner ganzen Hinneigung und aller meiner Gedanken, den einzigen Gegenstand, der die unermeßliche Leere meines Herzens auszufüllen vermochte, den Schlüssel aller Geheimnisse, das Prinzip aller wahren Philosophie, aller Wahrheit, ja die Wahrheit selbst. In dem Maaße, wie der Geist Gottes mich im Glauben befestigte, fühlte ich mich unglücklicher in meiner Lage. Wie viel kostbare Stunden und Abende verlor ich bei meinem Oheime, die ich so gern zur gründlichen Erforschung dessen benutzt hätte, was mir nur auf Erden allein wahrhaft am Herzen lag. Dieser aufgeregte Zustand und das brennende Verlangen, meinen Heiland offen zu bekennen, erschütterten endlich meine Gesundheit, die ohnehin nie sehr fest gewesen war. Ich stimmte daher um so bereitwilliger dem Vorschläge meines Oheims bei, einige Wochen lang die Landlüft zu genießen. Meine Mutter, meine vortreffliche Mutter, deren Herz immer ganz besonders an mir hing, bestand darauf, mich zu begleiten. In dieser ruhigen Lebensweise, wo ich mit größerer Freiheit meinen Gedanken nachhängen konnte, fühlte ich mich gedrungen, mich meiner guten Mutter zu entdecken. Als ich demnach

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