Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 31 (1875)
- Issue
- 5-6 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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73 Erwählung hatte reden hören. Die Betrachtung des Wortes Gottes wurde endlich das dringendste Bedürfniß meines Herzens. Es war mir nicht genug, die Wahrheit zu kennen, ich mußte sie auch besitzen und meine Seele mit ihr nähren. — Obgleich ich noch nicht recht zu unterscheiden wußte, was in mir vorging, so erinnere ich mich doch, Augenblicke der Entzückung gehabt zu haben, indem ich auf meinem Gange sichere Zeichen des göttlichen Beistandes und Schutzes zu erblicken glaubte. So waren wir einmal beieinander, mein Freund und ich, und beschäftigten uns mit unfern gewohnten Forschungen, als mein Bruder uns überraschte. Er bemerkte auf dem Tische neben der aufgeschlagenen Bibel ein spanisches Buch, das einzige, von Menschen hcrrührende Werk, welches wir neben der Bibel lasen. Er öffnete das Buch und las den Titel, welcher lautete: Verth eidigung des christlichen Glaubens, von Prof. Heydeck. — Sein Blick siel jedoch nur auf die ersten Worte: Vertheidigung des ..... . Glaubens.*) — „Was macht ihr alle Tage beisammen?" sagte er zu uns, indem er das Buch wieder hinlegte; „wollt ihr Rabbiner werden?" Darauf fing er von etwas Anderem zu sprechen an und ging fort. Wir sahen hierin eine Bewahrung von Gott; denn hätte mein Bruder den Titel ganz gelesen, so waren wir entdeckt; wenigstens wäre doch ein Verdacht bei unfern Familien rege geworden. Ein anderes Mal befand ich mich in der Bibliothek meines Oheims, und stets begierig, auf etwas zu stoßen, was mit dem Gegenstände meines nie ruhenden Nachsinnens in Beziehung stände, durchlief ich mit den Augen ungeduldig die ganze Masse Bücher, um eins zu finden, das vom Christenthume handelte. Endlich entdeckte ich einen großen Folio-Band mit dem Titel: 5u8tini philosophi et martyris opera (Werke von Justinus, dem Philosophen und Märtyrer). — Obzwar dieser Schriftsteller mir damals völlig unbekannt war, so ließ doch die Benennung „Märtyrer" mich hoffen, daß das, was ich darin finden würde, wohl das Christenthum beträfe. Ich machte das Buch auf, und die erste Abhandlung, auf welche meine Augen sielen, war das Gespräch *) Der Titel lautet nämlich im Franzästsche», wie ihn unser Verfaffer giebt: vetsnss äs In toi obretäenns. Anm. d. Uebers.