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Dibre Emeth · 1875-01-01 · 5-6 (1875) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
31 (1875)
Issue
5-6 (1875)
Date
1875-01-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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72 kommen ließ, einen solchen Ton gegen meinen Freund anzustimmen. Mein von Natur mißtrauisches Herz sah darin nichts Anderes, als eine geschickt angelegte Verführung; und die Vorstellung, daß mein Freund nicht gänzlich mein empörtes Gefühl theilte, kränkte mich empfindlich. Von diesem Tage an machte ich cs mir zur Aufgabe, die heilige Schrift näher zu prüfen. Auch niein Freund ließ es daran nicht fehlen, und so oft wir seitdem mit einander ausgingen, bezogen sich unsere Unterredungen auf solche biblische Stellen, welche vor andern unsere Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatten. Der Anfang ward mit dem Evangelium St. Matthäi gemacht, und hier fiel es mir gleich beim Eingang als sehr bcmerkenswerth auf, daß dieser Evangelist, weit entfernt, das Ansehen des Alten Testaments umzustoßcn, sich im Gegentheil darauf, als auf seine Grundlage, stützte und es auf nichts Anderes abgesehen hatte, als die Einheit der beiden Testamente durch die Erfüllung der Prophezeihungen anschaulich zu machen. So gingen mehrere Monate hin. Der Eifer, unsere Forschungen fortzusetzen, wuchs, je mehr Anziehendes sie uns täglich boten; wir beschlossen daher, das auszuführen, was wir einige Jahre früher, aber aus einem ganz andern Beweggründe und in ganz verschiedener Scelenstimmung, versucht hatten. Wir vereinigten nns nämlich, so oft wie möglich, um miteinander zu lesen und uns gegenseitig unsere Zweifel und unsere Gedanken mitzutheilen. Zn diesem Zwecke hielten wir unsere stillen Zusammenkünfte in einem abgelegenen Gemache des väterlichen Hauses; und nicht ohne tiefe Bewegung, nicht ohne Gottes Güte und Weisheit in seinen Führungen anbetend zu erkennen, gedenke ich jener Augenblicke, jener süßen und gesegneten Stunden, die wir miteinander, als in der Gegenwart des Gottes unserer Väter, zugebracht haben. Je mehr wir vorrückten, desto eifriger wurden wir, desto stärker fühlten wir uns angczogen. Meiner durch unfruchtbare Untersuchungen ermüdeten Denkkraft war ein neues, weites Feld aufgethan, welches sie mit jener Hingebung, mit jenem unwiderstehlichen Drange erforschte, in welchem ich später die wirkende Liebe des himmlischen Vaters erkannte, wie er damit die Seelen, die Er begnadigen will, zu seinem lieben Sohne hinzieht. Dies war mir eine thatsächliche Erfahrung, che ich noch etwas von vorlaufender Gnade und von

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