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Dibre Emeth · 1875-01-01 · 5-6 (1875) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
31 (1875)
Issue
5-6 (1875)
Date
1875-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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70 lastete vielmehr auf mir. Das Verlangen nach Erkenntniß, der Durst nach Wahrheit im Bereiche der Wissenschaften stiegen in mir in dem Maße, wie ich der Vergnügungen der Welt überdrüssig wurde. Allein alle meine Forschungen, alle meine Studien, alle meine Bestrebungen, dieses quälende innere Bedürfniß zu befriedigen, blieben fruchtlos und ließen in meiner Seele eine schauderhafte Leere. — Während langer, schlafloser Nächte, die durch Brustbeschwerden, woran ich von meiner Jugend an schon sehr gelitten habe, verursacht wurden, führten meine trüben Betrachtungen auf die Frage, warum ich doch ans der Erde wäre? „Was ist der Mensch?" sagte ich zu mir, „würde mir nicht viel wohlcr sein, wenn ich nur ein Geschöpf niederer Gattung, ein Bewohner der Luft, ein Wurm der Erde wäre? Ich würde mich zwar in einem engeren und beschränkteren Kreise umdrehen; aber solche Leiden an Seele und Leib wären mir doch unbekannt geblieben." — Gar manches Mal, wenn ich jenes Abendgebet schloß, wovon ich oben sprach, entfuhr mir aus tiefer Seele der Seufzer: „O daß doch dies der letzte meiner Tage wäre!" Ich habe noch die Briefe, welche ich zu jener Zeit mit zweien meiner Freunde wechselte; der Inhalt ihrer Zuschriften vergegenwärtigt mir sehr lebhaft meine damaligen Leiden. — Einer dieser Briese sängt mit den Worten an: „Ich kann Ihnen nicht ausj drücken, lieber Freund, wie sehr mich Ihr Schreiben ergriffen hat. - Ihr Trübsinn scheint sich zur Verzweiflung zu steigern, und was s wird bei Ihrem schwächlichen Körper und einer so erregbaren Seele, wie die Ihrige, die Folge davon sein? Sie werden das nicht lange aushalten, lieber Freund; ich fürchte, Sie werden bald unterliegen u. s. w." — Nun folgten einige Rathschläge, welche gewiß aus; theilnehmendem Herzen kamen und gut gemeint waren, denen es aber doch an dem Kern alles wahren Trostes gebrach. i Ich hatte keinen Gefallen mehr an meiner Lebensweise und meinem Berufe. Nach Wahrheit wollte ich forschen, suchte überall nach einer festen Grundlage, und ach! da war kein Tag, wo ich mich nicht in der beklagenswerthen Nothwendigkeit gesehen hätte, die Unsicherheit der Wissenschaft, welcher ich mich gewidmet hatte, zu erkennen. Wie fand ich mich getäuscht, als es mir klar wurde, daß selbst bei den ersten Aerzten wohl eher Routine und Geschick, mehr ein beständiges Rathen und Tasten, als eine Wissenschaft in

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