Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 31 (1875)
- Issue
- 5-6 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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69 Jahre 1818. Ich promovirte als Arzt und verließ die Universität, wo ich doch nicht ganz meine Zeit verloren hatte. Hierauf kam ich nach Amsterdam, meiner Geburtsstadt, zurück, voll der größten Hoffnungen für die Zukunft; eine schöne und ehrenvolle Laufbahn schien sich vor mir zu öffnen. — Ich hatte einen Oheim, der einer der ersten Aerzte Hollands war; ein gelehrter und mit Recht von den ersten Familien geachteter Mann, welcher sowohl als Arzt, als auch vermöge seiner Stellung im bürgerlichen Leben, allgemeines Vertrauen genoß. Da er kinderlos war, nahm er mich als seinen Sohn und Nachfolger zu sich. Seinen Verbindungen verdankte ich es, wenn ich mich bald in einen weiten Kreis gebildeter und recht achtbarer Familien eingesührt sah, bei welchen aber übrigens das Christenthmn nur ein äußeres Bekenntniß und von einem völlig weltlichen Leben begleitet war. Obgleich ich Jahre lang weit häufiger in Berührung mit Christen, als mit meinen Glaubensgenossen stand, so kann ich doch versichern, daß Niemand je mit einem Worte des Christenthums gedachte; meine Freunde und jungen Kollegen, mit welchen ich zuweilen mehrere Abende wöchentlich zusammenkam, schienen nicht die mindeste Idee von Religion zu haben. Ich erinnere mich, daß ich sie, als einmal das Gespräch auf das Christenthum gefallen war, mit ihrem Unglauben großthun und mit sehr geringer Ehrfurcht von dem Herrn Jesu reden hörte. Ich gab ihnen meine Verwunderung zu erkennen und fügte hinzu, daß ich als Jsraelite zwar nicht an Jesum glaubte, daß aber in meinen Augen jeder Christ, der nicht an die Gottheit Christi glaubte und ihm doch Gottesverehrung und Gebete widmete, ein bloßer Götzendiener wäre. Einer der anwesenden jungen Aerzte wurde einige Jahre später durch Gottes Gnade bekehrt; er rief mir das Gespräch jenes Abends in's Andenken zurück und gestand mir, wie sehr er über die eben so derbe, als wohlverdiente Zurechtweisung aus dem Munde eines Israeliten beschämt gewesen sei. Er gehört jetzt zu meinen lieben Brüdern in Jesu Christo und wandelt mit großer Glaubenstreue. Wie sind Deine Wege, o Herr, so wunderbar! Deine Gerichte sind wahrhaft und gerecht! Mitten unter den täglich sich mehrenden Beschäftigungen und bei allen Bequemlichkeiten des Lebens fühlte ich mich doch in meinem Innern gar nicht glücklich; ein unsägliches Mißbehagen