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Dibre Emeth · 1875-01-01 · 5-6 (1875) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
31 (1875)
Issue
5-6 (1875)
Date
1875-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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68 Thräucn rinnen ließ. Ach! ich chatte nur eine Täuschung vor mir . . .; ein tiefer Schmerz trat bald an die Stelle des süßen Traums, in den ich wie versunken war. In der Synagoge, wohin ich noch aus Rücksichten der Schicklichkeit ging, rührte mich nichts im Geringsten; im Gegentheil, alle jene Ceremonien, die mein Herz leer ließen, der Mangel an Ehrfurcht, das Geschrei, die unharmonischen Gesänge, und dabei der Gebrauch einer Sprache, von welcher mehr als drei Viertheile der Versammlung nicht eine Silbe verstanden, all' dieses Schaugepränge ohne Seele und Leben widerte mich in solchem Grade an, daß ich aufhörte, dem Gottesdienste regelmäßig beizuwohnen; denn Heuchelei ist mir von jeher zum Abscheu gewesen. — Der Versucher aber, um uns irre zu führen, und als hätte er durchblickt, was einige Jahre später bevorstand, gab mir und meinem Freunde ein, unsere Lebensweise zu ändern. Halben Maßregeln waren wir Beide feind und wir konnten uns nicht in jenes moderne Judenthum schicken, welches die Kunst erfunden hatte, je nach Gutbefinden die verschiedenen Vorschriften des mosaischen Gesetzes beizuhalten oder zu beseitigen; es war jetzt unser fester Entschluß, wahre Israeliten, strenge Beobachter aller Vorschriften des Gesetzes zu werden; wir wollten uns darin von keiner Autorität einschüchtern lassen, und so die Christen zwingen, mehr Achtung vor der jüdischen Nation zu haben. — Der Nationalstolz, der sich schon im Knabenalter bei mir regte, so daß ich wohl zu meiner guten Mutter sagte, wenn ich sie bekümmert sah: „Tröste Dich, liebe Mutter, wenn ich groß bin, will ich Dich nach Jerusalem bringen"; dieser Nationalstolz wuchs zur damaligen Zeit mächtig an und ersetzte uns Alles. In dieser Seclcustimmung und mit solchen Entschlüssen nahmen wir uns auch vor, die Bibel fleißig zu lesen. Aber o der Schande! o des Elends einer unbekehrten Seele! es war uns-nicht möglich, über das erste Buch Mosis hinauszukommen. Beständige Spöttereien, ein Geist des Hohnes, und oft sogar (Herr, gehe nicht mit uns in's Gericht!) Gotteslästerung war aus unfern Lippen, statt des Gebetes. Es ging so weit, daß ich endlich meinem Freunde sagte, es wäre besser, aus unser Lesen zu verzichten, als es so zu betreiben. . Unsere weit anssehenden Pläne verflogen wie der Rauch. Die Zeit der Beendigung meiner Studien nahte heran; dies war im

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