Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 31 (1875)
- Issue
- 3-4 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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Ei» brennendes Her;. Der Missionar Wvltersdorf erzählt uns, wie er auf seinen Reisen im Bairischen einen Juden angetroffen habe, der sich besonders ernst in seinen Gesprächen mit ihm äußerte. Derselbe war ursprünglich ein sehr reicher Mann gewesen, später aber in Folge von Prozessen, die ihm Andere zuwege gebracht hatten, verarmt. Seiner ganzen Umgebung war aber die Liebe, welche er Christen erwies, um so auffälliger, als damals noch (1752) der Verkehr zwischen Juden und Christen sich nur auf das Nothwendigste beschränkte, und beide Theile der Regel nach tief feindselig einander gegenüberstanden. Eine Geschichte von diesem Manne zumal lebte damals in dem Munde aller Bewohner der Stadt Fürth. Dort erkrankte ein armer christlicher Handwerksbursche und sein Leiden nahm eine Gestalt an, die ihm alle Pflege Anderer zu entziehn drohte; die Krankheit brachte es nämlich mit sich, daß ein fast pestilentialischer Geruch von ihm ausging und eben derselbe daher Alle, die sich ihm nahten, wieder von ihm trieb. Der arme Mensch, aus der Fremde herzugewandert, lag nun im Wirthshause und drohte völlig zu verkommen. Da hörte der oben erwähnte Jude von ihm, ging zu ihm, überzeugte sich von seinem Elend, sah ihn aller Baarschaft beraubt und war schnell entschlossen, ihm zu Hülfe zu eilen. So nahm er denn eine Büchse, ging in den Wirthshäusern hin und her und bettelte überall, wo er sonst irgend etwas zu bekommen hoffte. „Hat also dieser arme Jude sich des Menschen, an dem Priester und Levit vorübergegangen, angenommen und ihm Unterhalt verschafft." Und er hatte daran nicht genug. Sondern da Niemand den Kranken selbst pflegte, ward er auch sein Wärter; er reinigte ihn, verschaffte ihm Hemden und hielt bei ihm aus, ohne sich durch den entsetzlichen Geruch, der dies Krankenlager umgab, von demselben vertreiben zu lassen. Als die übrigen Juden hiervon hörten, wurden sie auf ihn sehr böse, sie schalten ihn, daß er sich eines solchen Menschen angenommen, und forderten ernstlich von ihm, denselben sich selber oder den Christen zu überlassen. Alle Abmahnungen aber richteten nichts aus. Da wurde er mit dem Bann bedroht, und als er auch diese Drohung nicht achtete, wirklich in den Bann (Cherem) gethan. Nichtsdestoweniger hat der treue Mann fortgefahren, wie er be-