Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 31 (1875)
- Issue
- 3-4 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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63 so daß etliche der vornehmen Araber diesen Anblick nicht länger ertrugen, sondern mit den Worten herausgingen: „Hada Essabur elmaleak, das ist eine Engelsgeduld", Gottes Wort war seine Speise in dieser Zeit bei Tag und Nacht; so oft er es nur vermochte, las er in seiner Bibel. Als Schultz in den letzten Tagen weinend vor ihm stand, tröstete er ihn mit schwacher Stimme: „Mein Bruder, wenn ich sterbe, so fürchten Sie sich nicht. Ich werde nicht sterben, sondern leben und des Herrn Werk verkündigen. Ich lebe und ihr sollt auch leben; Eins erklärt ja doch das Andere; ein Gläubiger stirbt nicht, sondern wird nur von den Mühseligkeiten und Beschwerden dieses Lebens befreit und kommt aus dem unvollkommenen zum vollkommenen Leben, da kann er besser des Herrn Werk verkündigen als hier." Sprüche des Herrn sich selbst wiederholend trat er in den Todeskampf ein; als die Besinnung ihn verließ, rief er einige Male: Anna Abdak (ich bin dein Knecht), und unter solchem Ausruf zog seine Seele heimwärts. In dem Augenblick aber, da dies geschah, rief der Muezzin vom Minaret der Moschee her den Morgen ab — das Morgenroth der Ewigkeit hatte den Sterbenden umfangen. Ganz Acris war von der Todesnachricht bewegt und so verlangte man auch allgemein, an dem Leichenbegängniß sich betheiligen zu dürfen. Der griechische Weihbischof und seine Geistlichkeit leiteten die Trauerseier ein, die Schiffe im Hafen hatten ihre Trauerflaggen aufgezogen, Griechen und alle Europäer folgten der Leiche und der englische Kirchhof nahm dieselbe auf. Schultz fand nur die Kraft, das Vater Unser und den Segen am Grabe zu sprechen, dann sank er zusammen und mußte von den Umstehenden heimgebracht werden. Ein solches Zeugniß für Christum, wie es Woltersdorf durch sein geduldiges, stilles, gläubiges und den Herrn zu aller Zeit rühmendes Leiden, und wie er es durch seinen Tod abgelegt, war in der That eine gewaltige Missionsarbeit, und ihre Frucht wird an den Seelen, welche dieses Zeugniß vernommen haben, nicht vergeblich geblieben sein. Missionsarbeit ist ja nicht bloß Reden von Christo, sondern auch Dulden für Christum in und unter der Liebesarbeit, die ihm Seelen gewinnen und Seelen suchen will, welche ihn noch nicht kennen. Die Todten aber, die in dem Herrn sterben, werden leben und ihre Werke folgen ihnen nach.