Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 31 (1875)
- Issue
- 3-4 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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61 englische Consul Usgate und dessen Gemahlin, eine von Herzen gläubige Prvselhtin aus dem Judenthum. Mit unendlicher Sorgfalt und Zartheit nahmen sich diese Beiden des Kranken an und wollten nur eine besondere Freude darin erkennen, den schwer geprüften Dulder und seinen Gefährten bei sich haben zu dürfen. Die Krankheit aber zog sich sehr lange dahin; erst am 12. August 1755 erfolgte die Erlösung. Mit eigenen Gefühlen hatte Woltersdorf den asiatischen Boden betreten. Am ersten Tage seines Berweilens auf demselben schreibt er: „Gott sei gelobt, der uns in Gesundheit bis nach Smyrna geholfen hat. Er segne unfern Eingang und Ausgang von nun an und immerfort, Amen. Wir traten also in armer Gestalt in den Theil der Welt, wo unser Herr und Heiland in armer Gestalt umhergewandelt ist. Und der treue Heiland, der gebe uns Gnade, seinen Fußtapfen zu folgen, besonders aber in der Verkündigung des Evangelii bei dem Volke, welchem er in eigener Person als seinem Eigenthum dieses Evangelium verkündigt hat. Er helfe uns endlich nach vollbrachtem Laus dahin, wo er ist." Sein Gebet ist erhört worden. Er hat seinem Heilande sein Kreuz an jenen altgeheiligten Stätten nachgetragen, und die ihm auf seiner Leidensstraße begegneten, haben es auch bezeugt, daß er in Wahrheit nur den Fußtapfen seines Meisters nachfolgte. Zuletzt hatte ein Maronit, Hanna Meriech, mit Schultz gemeinschaftlich die Wache an seinem Krankenlager übernommen. Derselbe empfing von der Frömmigkeit dieses Kranken den allermächtigsten Eindruck. Er konnte gar nicht fertig werden mit Erzählungen, an seine Umgebung, wie der Leidende noch kurz vor seinem Ende so mächtig besonders von dem ewigen Leben mit ihm geredet habe, und wie das in sein Herz gedrungen sei. „Ich glaube, wo ein Mensch selig wird, so ist es dieser gewiß", schloß er einmal seine Mittheilungen über die letzten Tage des treuen Dulders. Juden, Christen und Muhamedaner sind zu W. gekommen und haben in Wahrheit an diesem Krankenbette eine ernste Predigt vernommen. Ein Scheich besuchte ihn einmal und frug ihn, wie er so geduldig sein könne? Woltersdorf antwortete: „Das ist nicht in meiner Kraft, sondern aus Gottes Gnade". Dabei, erzählte dieser Scheich, wurde er, besonders wenn er Jefaias 53 erklärte, so schön und munter, daß er, wenn er beim Eintritt der Besucher wie eine Leiche aussah, unter seinem Zeugniß von der Versöhnung in Christo wie eine Rose ausblühte,