Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 31 (1875)
- Issue
- 3-4 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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58 und er hatte es nicht umsonst gethan. Vater und Mutter, ja auch die Geschwister und Verwandten, haben zu dem Vorhaben des jungen Mannes mit Freuden ihr segnendes Ja und Amen gegeben, und am 8. Mai 1749 stellte er sich nun in Halle bei Callenberg, dem bekannten Vorsteher des Missionswerkes, und Schultz ein, um sogleich in die Arbeit zu treten, der er fortan 7 Jahre in ungemeiner Treue gedient hat. Noch im Mai begannen Schultz und Woltersdorf ihre erste Missionsreise, dieselbe führte sie nach England, die zweite nach Italien; später ging es nach dem Rheine hin, dann nach Wien, in die europäische Türkei, nach Klein-Asien, Egypten und von hier über Palästina nach St. Jean d'Acrc (Ptolemais), wo Woltersdorf 1755 starb. Woltersdorf war nach vielen Seiten hin zum Missionar wohl geeignet. Er besaß eine vortreffliche Sprachengabe. Trotz seiner verhältnißmäßigen Jugend brachte er cs nicht bloß in den alten klassischen Sprachen Latein und Griechisch zum fertigen Sprechen, sondern auch im Französischen, Englischen, Italienischen, Neugriechischen, Arabischen und Türkischen; in etwa 4 Monaten lernte er die schwere türkische Sprache. Ebenso unterhielt er sich fließend Hebräisch mit den Juden in drei Welttheilen, und machte dadurch auf sie einen gewaltigen Eindruck. — Mit seinem Gefährten Schultz lernte er es, sich an Allem genügen zu lassen. Nie hören wir ihn über die vielen Mühsale der langen Reise klagen, die doch an die ziemlich mittellosen Missionare die schwersten Anforderungen stellte. Die Gefahren der Reise nahm er ruhig mit in den Kauf. Mörderhand und Schiffbruch bedrohten auch ihn zu wiederholten Malen; Schläge und mit Hunden Gehetztwerden, wie er beides in Konstantinopel erleiden mußte, trug er, ohne viel Aufhebens davon zu machen. Ueberaus schön war sein Verhältniß zu seinem älteren Reisegefährten Schultz. Auch nicht der leiseste Mißton ist in der ganzen Zeit ihres siebenjährigen gemeinsamen Verhältnisses zu vernehmen. Einer kommt dem Anderen mit Rücksicht und Freundlichkeit zuvor; der Jüngere läßt dem Aelteren überall den Vortritt, Beide aber sehn neidlos auf das Werk, das ein Jeder von ihnen ausrichtet. Schultz sorgt natürlich für den Gefährten, und dieser selbst hat, als er durch seine Krankheit dem Anderen große Opfer auferlegt,