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Dibre Emeth · 1875-01-01 · 3-4 (1875) · page 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
31 (1875)
Issue
3-4 (1875)
Date
1875-01-01
Page
– (sequence 23)
Language
German
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55 stantisches Gebetshaus in ihrer Mitte; das ermuthigte meine Begleiter, denn sie sahen heute sehr niedergeschlagen und sorgenvoll aus. Es ist eine Stätte, die durch viel Gebet und schwere Angst geheiliget ist, und daher eine Stätte von großer Anziehungskraft und geheiligtem Gedächtniß für mich. Nachmittags hatten wir einen heftigen Regen und wurden durch und durch naß. Um 5 Uhr erreichten wir Assasso, wo ich die letzte Nacht mit den theuren Brüdern zubrachte. Der Gouverneur und sehr viele Priester besuchten mich, und der Herr stärkte mich, noch einmal in Abschiedsworten zu ihnen von dem Einen zu sprechen, das noth thut. Am Abend kamen nicht allein unsere Bekehrten, sondern auch viele Falaschas des Ortes, um die Zeit bei mir zuzubringen, aber es herrschte nach dem Regen eine eisige Kälte. 28. Letzte Nacht hatten wir viel Regen und erreichten Gondar nicht bis um 10 Uhr. Wie traurig sieht das arme Gondar im Vergleich mit früheren Jahren aus! 28. Mai. Angelangt in Massowah nach einmonatlicher, ermüdender und gefahrvoller Reise. Wir hatten während der ersten 14 Tage viel Regen und waren oft genöthigt, über hohe Felsgebirge ohne Nahrung zu Fuß zu wandern. Einige Male verließ mich meine Kraft; ich fühlte mich völlig erschöpft, und glaubte, nicht weiter vorwärts gehen zu können, aber der Herr ließ meine Kraft an jedem Morgen neu werden und ermuthigte mich durch seine Gegenwart. Sein Name sei gepriesen für alle seine Güte! Am 26. Juni erreichte ich wieder meine Heimath Kornthal (in Würtemberg), mit Gefühlen, die sich allein durch die Worte des 23. und des 103. Psalm aussprechen lassen. Ans Rußland. Rußland ist wieder für die Londoner Juden-Missionsgesellschaft geöffnet. Kaiser Alexander hat ihr sein ganzes Reich aufgethan. 1855 beim Ausbruch des Krimkrieges vertrieben, hat sic 20 Jahre diesem wichtigen Arbeitsfelde fern bleiben müssen und bisher alle ihre Bemühungen, wieder das alte Feld betreten zu dürfen, scheitern sehen; jetzt ist ihr mehr gegeben als je zuvor. Wie viel ist dort gesäet, wie viel auch geerntet worden!

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