Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 31 (1875)
- Issue
- 3-4 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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52 Anfechtungen zu erdulden, aber nach allen Drangsalen ward doch ihr Mann überwunden. Er steht jetzt auch im Unterricht,, und nach seiner Taufe werden sie sich wieder verheirathen. Ich bin voll Dankes, daß dies nicht der einzige Fall ist, in dem wir die herrliche und wicdergebärende Kraft des Evangeliums mit Augen sehen können. Man erzählte mir von einer andern lieben Frau, einer Mutter von 5 Kindern, welche die anderen Bekehrten durch die Art, in der sie ihr christliches Bekenntniß als eine Nachfolgerin Jesu zierte, sehr ermuthigte. Sie steht noch im gesegneten Andenken um ihrer christlichen Festigkeit, ihres tadellosen Lebenswandels und ihrer Liebe gegen alle Nothleidenden willen. Auch sie ist kurze Zeit zuvor gestorben, der Tod aber hatte für sie seinen Stachel verloren, weil sie in der vollen Gewißheit stand, daß Christus ihr ewiges Leben sei. Der Herr sei gepriesen für seine Güte und Gnade, in der er sich selbst dieser Tochter Abrahams geosfenbaret hat, deren Gedächtniß jetzt in ihrer Nation gesegnet ist. Ein Forscher, ein naher Verwandter von Debtera Beroo, der ein Falascha in guten Verhältnissen ist, etwa 56 Jahr alt, war einige Tage bei mir. „Seit zehn Jahren, sagte er, habe ich an das Evangelium geglaubt. Inwendig war ich ein Christ, auswendig ein Falascha. Ich wünschte, vor eurer Gefangennehmung getauft zu werden, aber meine Frau und meine Verwandten waren dagegen, und so blieb ich, um die Trennung von ihnen zu vermeiden, ungetanst; aber ich werde alt und wünsche ein offenes Bekenntniß meiner inneren Uebcrzeugung durch den Empfang der Taufe zu thun und als ein Christ zu sterben. Ich kann nicht länger zaudern, obgleich ich sehr fürchte, daß mein Weib von mir durch ihre Brüder, welche Mönche sind, genommen werden wird. Jedenfalls kann ich, auch wenn dies geschehen sollte, meine Ueberzeugung nicht ändern, denn Christus sagt: „Wer sein Weib und seine Kinder mehr liebt als mich, ist mein nicht werth". Vor zehn Jahren habe ich sie zu gewinnen gehofft, aber es thut mir weh, sagen zu müssen, daß sie gegen das Christenthum bitterer als je ist." 23. Vergangenen Abend hatten wir einen Abschiedsgottesdienst und beteten besonders für die drei Brüder: Agaschy, Samany und Debtera Gcbra Ekseebhar, welche uns an diesem Morgen verließen, um nach ihrer neuen Station in Affasio zu gehen. Thränen rannen von ihren Wangen nieder, als sie von uns Abschied nahmen.