Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 31 (1875)
- Issue
- 3-4 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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51 zurück, indem er mir sagte, er wolle mit seinem zerrissenen Kleide zufrieden sein, wenn ich ihm statt des neuen Rockes ein Exemplar des Psalters geben wollte. „Aber, sagte ich, mein kleiner Bursche, du mußt doch Tag und Nacht in deinen zerrissenen Lumpen frieren!" Er jedoch entgegnete: „Schadet nichts, ich will lieber frieren und einen eigenen Psalter besitzen; dann kann ich die Psalmen für mich lesen und sie mir auswendig lernen." Ich erfüllte seinen Wunsch und nahm sein neues Kleid zurück; als mir aber bald danach sein Lehrer sagte, daß er ein fleißiger Junge und einer der hoffnungsvollsten in der Schule sei, stellte ich ihm sein neues Gewand wieder zu. Nie werde ich vergessen, wie glücklich und entzückt der kleine Bursche war! Aaron Wazy, der im Anfänge unserer Mission 1863 unser bitterster Feind war, war heute mehrere Stunden bei mir. Er hatte einen Geist wie Saulus, und wurde von den Falaschas um seines Eifers willen als ein sehr gerechter Mann betrachtet; aber welch ein Wechsel hatte nun in ihm stattgefunden! Er sitzt jetzt unter dem Kreuze Christi und wünscht keine andere Rechtfertigung als durch ihn, den er nun seinen glaubenden Brüdern predigt. Er ist ein Mann von ungefähr 60 Jahren und hat 8 Kinder, die alle jetzt getauft sind. Seine Frau, die im letzten Jahre starb, steht noch bei den Bekehrten, besonders aber bei ihrer Familie und ihren Verwandten, im Andenken als eine sehr fromme Frau. Vor ihrem Tode rief sie alle ihre Kinder und nahen Verwandten und ihre noch ungetansten, aber verheiratheten Töchter zu sich, und bezeugte ihnen, welchen Frieden sie in dem Heilande, den sie gefunden hatte, genoß, und drang in sie, auch zu ihm zu kommen. „Allein durch ihn könnt ihr selig werden", rief sie aus; danach schlief sie in den Armen des göttlichen Hirten voll Friedens ein, der noch immer die verlorenen Schafe vom Hause Israel sucht. Welch eine wunderbare Scene muß dieses Sterbelager für die Umstehenden gewesen sein, wenn sie es mit den Schrecken und dem Klagegeschrei, das sonst an dieser Stelle in solchen Augenblicken gewöhnlich stattfindet, verglichen! Und es war nicht umsonst. Die Töchter folgten den dringenden Mahnungen ihrer Mutter, baten um Unterricht und sind getauft worden. Eine hatte für ihre eifrige Sorge, den letzten Willen ihrer Mutter zu erfüllen, viel zu leiden. Sie wurde von ihrem Manne geschieden und hatte große 4*