Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 31 (1875)
- Issue
- 1-2 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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24 recht der Nationen und sehn diese als verpflichtet an, ihnen dasselbe zu gewähren. Als einst fremde Volksangehörige ihren Wohnsitz in Kanaan nahmen, rvsp. behielten, da wurden für dieselben, auch wenn sie nie wieder in die alte Hcimath zurückkehren oder sich anderweitig ansiedeln wollten, äußerst beschränkende Bestimmungen getroffen. Sie sollten rücksichtsvoll behandelt werden, aber sie sollten keinen Fuß breit Erde in Kanaan erwerben und ihren Kultus nicht ausüben dürfen, ja bei Todesstrafe das ihnen völlig fremde Sabbathsgesetz mitzuhalten gezwungen sein. Wir können solche Bestimmungen, die auf dem Standpunkte des Neuen Testamentes allerdings unberechtigte wären, auf dem des Alten Testamentes vollkommen rechtfertigen. Aber Juden, welche ihr Gesetz erheben, dürfen am allerwenigsten die Forderung stellen, daß man ihnen unter den übrigen Rationen alle politischen Rechte zutheile. Ein Volk, das hat gerade die mosaische Verfassung ganz durchgreifend festgehalten, soll ein Ganzes sein, das ein einheitliches Gemeinschaftsleben zu führen im Stande ist, wenn auch seine Bestandtheile verschiedene Glieder an einem Leibe bilden. Vermögen einige derselben eine solche Verbindung mit den anderen nicht einzugehn, dann darf man dieselben auch nicht, ohne den übrigen Organismus auf's Schlimmste zu gefährden, in denselben eingliedern wollen. Was Ausnahmen bildet und nach seiner Anlage bilden muß, das soll, ohne daß dieselbe eine grausame sein dürfte, eine Ausnahmestellung erhalten. Die Juden, welche auf eine eigene politische Selbstständigkeit hoffen, sollten in aller Gerechtigkeit und Billigkeit, aber, wie es sich gebührt, als Fremdlinge in allen staatlichen Beziehungen gehalten werden. Die alte jüdische Orthodoxie erkannte dies an, die neue nicht mehr — jene hatte eben mehr sittlichen Ernst; sie hatte Gott gegenüber doch noch einen höheren Grad von Sündencrkenntniß und ihrer Umgebung gegenüber mehr Gerechtigkeitssinn. Die heutigen Neuorthodoxen wollen aus dem Gefühle der Unbefriedigung, welches die Unmöglichkeit, mit ihrer Umgebung je eins werden zu können, Hervorrufen muß, nur für sich eine praktische Folgerung ziehen, nämlich: Hin nach Kanaan! Die übrige Welt hingegen soll ihrem Gefühl keine Folge geben; sie soll einstweilen alle ihre Gaben den Juden in den Schoß schütten, und weil dieselben daran nicht genug haben, noch ein klebriges thun: Kanaan denselben als Geschenk darbietcu!