Mannheim
Compact Memory

Dibre Emeth · 1875-01-01 · 1-2 (1875) · page 23

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
31 (1875)
Issue
1-2 (1875)
Date
1875-01-01
Page
– (sequence 23)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2554541-2554821-2554822--06310-2562292
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

was die heutigen Neuorthodoxen von ihm als gottversöhuende Leistung fordern: die Anerkennung der Einheit Gottes und die Tendenz, sich durchgreifend von allen Anderen zu unterscheiden. Nun kann aber jener Artikel nicht umhin, Stimmen aus den Propheten anzusühren, welche gerade das Israel der Zerstreuung so hart verklagen, daß cs wieder mit dem, „die Besten" zu sein, außerordentlich schlimm steht. Aus Hesekiel wird das furchtbare Wort angeführt: „Ihr habt unter den Völkern, wohin ihr gekommen seid, meinen Namen entweiht". Und Sacharja (8, 13) fügt bekanntlich hinzu: „Ihr seid ein Fluch gewesen unter den Völkern". Das Urtheil des A. Testamentes über die Juden, welche aus ihrem Lande verbannt find, lautet also dem, welches ihre Stimmführer gegenwärtig ausgeben, gcradeswegö und auf's Allerschärfste entgegengesetzt. Wer hat nun Recht: Gott und seine Propheten? oder diese Juden selbst? „Träger der Einheitsidee", —• „Entweiher meines Namens", so hören wir die Einen rühmen, die Andern strafen! Kann Gott mit denen eins sein, die ihm so in das Angesicht widersprechen? Wo Alles Demuth und tiefe Beugung fordert, da sehn wir nur Selbstruhm; wo die Geduld und Langmuth und Verschonung Gottes noch kein Ende macht, sondern auf eine zukünftige Bekehrung hinarbeitet, da wird dieselbe heute noch von den ihre Brüder führenden Juden dahin verstanden, daß Gott in ihnen „seine Besten" erkenne, und es wird nur darauf gewartet, daß er dies auch durch die entsprechenden Belohnungen vor aller Welt offenbare. „Wir haben allen Jahrhunderten getrotzt", das ist der Sinn, mit welchem noch Gesammtisrael im Großen und Ganzen diese Zeiten des Gerichtes und der Geduld ansieht; und „Ansprüche", die es zu erheben hat, sind die Summa, die sich ihm ergiebt, wenn es auf das ernste Walten der Hände Gottes sieht. Wir haben Ansprüche, besondere Ansprüche und dieselben müssen befriedigt werden, das nennt unser Arttkel den Kern und Stern der neuorthodoxcn Messiasgcdanken. Wir nehmen „eine Ausnahmestellung" ein, das wollen diese Juden offen und ehrlich vor der Welt aussprechen. Sic verlangen aber, daß man ihnen, obwohl sie nur zeitweise unter den anderen Völkern zu wohnen gedenken, alle Rechte und Vortheile derselben einräume. Fremdlinge, die mit ihrem Verlangen auf die Rückkehr in die Heimath gerichtet sind, fordern sie nichtsdestoweniger das volle und ganze Bürger-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.