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Dibre Emeth · 1875-01-01 · 1-2 (1875) · page 22

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
31 (1875)
Issue
1-2 (1875)
Date
1875-01-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
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22 53 im Jesaia behandelt. Läßt die Synagoge dasselbe in ihren Lektionen überhaupt aus, während sie doch K. 52 und 54 liest, so nennt dieser Artikel zwar 51, 52 und 54 ausdrücklich, aber nicht 53, sondern führt nur, ohne zu sagen, daß er diese Worte dem K. 53 entnimmt, einige Ansführungen über das Leiden des Knechtes Gottes an, um sie auf Israel zu beziehen. Das ganze Kapitel anzuführen, wäre auch zu gewagt; heißt cs doch, was eben unter dem Knechte Gottes Hierselbst Israel zu verstehen völlig unmöglich macht: „wegen des Frevelthuns meines Volkes traf ihn Ahnung". Seine Leiden hat also dieser Knecht des Herrn gerade der schweren Verschuldung Israels zu danken. — Aber das paßt eben nicht in eine Messiasidce hinein, bei der die Hauptsache ist, daß Israel wieder zu seiner politischen Selbstständigkeit kommt. Ein Messias, der dem abtrünnigen Volke erst Vergebung schaffe«; und selbst das Opfer für seine Sünde werden soll, hat in diesem Gedankenkreise keine Stelle. Wo inan so sehr von dem Be>vußtsein, „die Besten" und „das Mustervolk" zu sein, erfüllt ist, da mag die Person eines Messias ein in gewissen Fällen ganz passendes Mittel und Werkzeug für die Verwirklichung politischer Pläne sein, eine höhere Bedeutung hat sie nicht. Jener Artikel denkt an eine Persönlichkeit, die inmitten der anderen Juden wohnt und Klugheit wie Energie genug besitzt, das Projekt der Zurückführung der Juden zu verwirklichen: vielleicht an einen Lasker in neuorthodoxer Form und mit einigen bisinarkischen Eigenschaften geziert. Findet sich ein Mann aus dein Stamme Davids, der sich auf die Benutzung der politischen Verhältnisse versteht, der vielleicht den Einfluß, welchen jüdische Kapitalien bei den Anleihen der Staaten bilden, geschickt zu verwerthen und die Regierungen oder die Parlamente für einen solchen Plan zu gewinnen weiß, dann wäre die Stunde für die Verwirklichung der Weissagungen der Propheten erschienen. Denn hübsch natürlich und für Jedermann verständlich heißt uns ja jene Stimme die Sache uns zurechtlcgcn. Einige Anstöße treten diesen heiteren Gedanken allerdings in den Weg — man kann nicht umhin, derselben Erwähnung zu thun — aber indem man sie nennt, hat man Alles gcthan und kümmert sich dann nicht weiter um dieselben. Wir sehn, daß Israel gerade in einer Zeit von seinem Gerichte ereilt wurde, als es das Alles im höchsten Maße beobachtete.

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