Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 31 (1875)
- Issue
- 1-2 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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21 zu Tage, wie die Ausführungen der Reformer, daß im neueren Judenthuni das Ideal der Menschheit zur Erscheinung komme. Der Streit zwischen beiden ist nur, wer von ihnen das rechte Judenthum darstelle, und eben bei dem Messiasgcdanken sehen wir beide Richtungen sich scheiden, um aus ihren verschiedenen Wegen denselben inneren Gedanken zu verfolgen. Zum Sclbstbcwußtsein, hörten wir den orthodoxen Stimmführer ausführen, sollte Israel in der Zerstreuung kommen; es sollte sein eigenes Gesetz als das alle anderen überragende erkennen und an dem einpersönlichen Gott als an dem allein wahren festhalten lernen. Stünde die Sache so, dann wäre die Vertreibung völlig unnütz gewesen; denn, wie schon oben gesagt, nach jenen beiden Beziehungen ließ das Israel der Zeit des Titus absolut nichts zu wünschen übrig: es war fanatisch überzeugt, daß sein Gesetz alle anderen überrage und daß seine Religion die allein wahre sei; für beides ließ es damals das Leben und mit noch größerer Bereitwilligkeit als in jeder späteren Folgezeit. Legen wir den neuorthodoxen Maßstab an, so kommen wir zu dem entsetzlichen Resultat, daß Gott Israel, als es seine idealste Höhe erreicht hatte, wie niemals vorher gestraft hat! Wie denn, liegt es am Ende doch etwa daran, daß Israel eben mit aller Gewalt daran festhielt, „die Besten" zu sein? Sollte da gerade seine Schuld gefunden werden müssen? Freilich das christliche Zeugniß vom Messias und seiner Verwerfung wird abgewiesen. Denn, obwohl es völlig unwahr ist, daß je das Christenthum gelehrt hätte, über die Juden sei ein ewiger Fluch gekommen, da dasselbe ja vielmehr eine dereinstige Bekehrung der Juden verkündigt und daher auch den Mnth zu einer Judenmission besitzt, so macht es ihnen allerdings ihre Verwerfung Christi zum Vorwurf. Freilich, wäre der Messias nichts Anderes als ein König, der Israel zu seiner politischen Selbstständigkeit und zur höchsten nationalen Größe verhilst, dann wäre das Aergerniß an Christo erklärlich. Aber die Propheten zeigen, daß der Davidssohn ebcnsowie sein Vater David erst ans der Niedrigkeit zur Hoheit, aus der Armuth zum Reichthum, aus der Schande zur Ehre, aus einem blutigen Tode zum bleibenden Leben gelangt. Kennt doch selbst der Talmud einen leidenden Messias, den Sohn Josephs. Um so charakteristischer ist es, wie auch unser neuorthodoxer Messiasartikel das Kapitel