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Dibre Emeth · 1875-01-01 · 1-2 (1875) · page 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dibre Emeth
Volume
31 (1875)
Issue
1-2 (1875)
Date
1875-01-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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20 aller Satzungen noch nicht das Mindeste an dem Menschenherzen, cs sei das Herz eines Heiden, oder eines katholischen, oder eines griechischen, oder eines protestantischen Christen, oder eines Juden, ändert, sondern dieselben nur einen pädagogischen Werth haben, hält der nenorthodoxe Jude noch mit aller Macht an einer gewissen Summe eigener äußerer Gebräuche fest, um sich darüber dann einreden zu können, daß er besser als alle anderen sei. Während er es sonst Aberglaube nennt, von Satzungen das Heil zu erwarten, macht er bei sich selbst allein hiervon eine Ausnahme. Während er den geistigsten Deutungen von Satzungen, die Andere üben, mit Recht entgegenhält, daß nur ein geistiger Mensch sie recht geistig ausführt, daß aber der an sich geistige Sinn von Gebräuchen noch lange nicht das Beobachten derselben auch geistig macht oder vor leerem Formendienste bewahrt, so wendet er solche Grundsätze auf sich selber nicht an. Eine magische Kraft haben die jüdischen Gebräuche doch nicht; denn trotz derselben ist jenes Israel der Römerzeit, welches sie einst so eifrig und gewissenhaft übte, von Gott, als völlig zum Gerichte reif, zerstreut worden. Oder wo diese Satzungen auf Andere übertragen wurden, wie auf die Jdumäer, die Proselyten des Chazarenreichs, in Arabien und Abhssinien, sind die Leute in Wahrheit um nichts besser geworden. Ach nein, der tiefste Grund des heftigen Pochens auf gewisse Satzungen ist bei Juden ebenso wie bei Christen und Heiden die böse Meinung, sich auf solche Weise eine besondere Würdigkeit zu verschaffen und mit etlichem Außenwerk die Hauptsache, die völlige Uniwandelung und Neuschöpsung des Herzens, abzukausen. Leidenschaftlich klammern sich noch die neuorthodoxen Juden an gewisse Reste dieser Satzungen, weil dieselben das einzig Besondere für sie geblieben sind, da ihre Glaubenslehren von zu Vielen getheilt werden — aber dabei geht ihre Verirrung soweit, daß sie um der Ceremonien und Gebräuche willen sogar „die Besten" und das Mustervolk der Welt zu sein wähnen. „Wir sind die Besten", das ist der Kärdinalgrundsatz auch der neueren Orthodoxie unter den Juden; jede Predigt von anderer Seite daher, welche von ihnen Buße und Selbstbesinnung fordert, ein Attentat. Der Pharisäismus ist noch heute die herrschende Richtung und die breiteste Strömung im jüdischen Volke; die Messiasgedanken der modernen Orthodoxie legen dies ebenso klar

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