Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 31 (1875)
- Issue
- 1-2 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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16 Gesetz eines Staates geben, welches allen Anforderungen gerecht werden könnte, die der Jude seiner Religion halber an sich stellen muß. Seine Religion verlangt einen eigenen Boden und eine Selbstständigkeit, die kein Staat gewähren kann, ohne Ausnahmegesetze für die jüdischen Bekenner zu schaffen. Daher kommt es, daß der Jude sehr schwer zu befriedigen sein wird , und jede Ungleichheit, die sich heute durch seine Religion fühlbar macht, dem Staate zur Last legt. Und doch liegt die Schuld häufig nicht im Staatsgesetze, sondern in unserer Religion. Es muß dem Juden klar werden, daß es Rechte geben kann, von denen er mit dem besten Willen keinen Gebrauch machen kann. So treten Sabbat- und Speisegesetze häufig bei Ausübung der Pflichten eines öffentlichen Amtes hindernd in den Weg und können es ganz unmöglich machen, dasselbe zu bekleiden. Insbesondere wird das Ehegesetz eine ewige Scheidemauer zwischen Juden und Andersgläubigen bilden. Die Welt wird um desselben willen uns stets entgegcnhalten: Ihr selbst schafft euch eine Ausnahmestellung. Früher wurde diese Ausnahmestellung den Juden aufgezwungen, heute weist uns die Religion dieselbe auf. Deßwegen darf uns aber kein Recht vorenthalten oder die Berechtigung zu einer Sonderstellung gefolgert werden, denn der Gehorsam gegen das Gesetz wird auf diese Weise nicht beeinträchtigt, nur den Juden persönliche Entsagungen auferlegt. Natürlich muß in Folge dieser Sonderstellung aber ein unbefriedigtes, drückendes Gefühl entstehn, da unsere Zeit sonst eine vollständige Gleichheit erstrebt und sich hier ein unüberwindliches Hinderniß findet. Was werden die Staaten nun thun, um diesem Mißstande abzuhelfen? Vielleicht werden sie sich veranlaßt fühlen, um das Unrecht der früheren auszugleichen, etwas über ihre Pflicht hinaus zu thun. Der Umschwung der Zeiten läßt jedesfalls einen allgemeinen Weltfrieden, wie ihn die Propheten geweiffagt haben, erwarten. Und dann wird Israel auch wieder zu seinem Lande kommen. Canaan ist noch immer kulturfähig, unter kräftiger Regierung würde es bald wieder aufblühcn. Die Sehnsucht nach der eigenen Heimath wird aber nie aussterben; heute in den glücklichen Zuständen ist es für uns schwerer fast, Jude zu sein, als in den früheren Jahrhunderten. Nach seinem Gesetze, zumal nach seinen Sabbat- und Speisegesetzen unbedingt leben zu können, sehnt sich aber der gläubige Jude.