Dibre Emeth
- Journal
- Dibre Emeth
- Volume
- 31 (1875)
- Issue
- 1-2 (1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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15 „Diese großartige Idee nun erscheint Vielen lächerlich, weil ihnen die Verwirklichung unmöglich erscheint. Viele Juden sehn in der Zerstreuung ihres Volkes keine göttliche Strafe, sondern einen rein natürlichen Vorgang. Das kleine Volk Israel habe mit Nothwendigkeit den Weltvölkern erliegen müssen! Aber kleine Völker haben sich oft in der Geschichte durch ein mächtiges sittliches Leben gegen gewaltige Eroberer gehalten. Merkwürdig bleibt ferner die pünktliche Erfüllung des Geweissagten. Noch merkwürdiger ist die Erhaltung des Volkes in der Zerstreuung unter den furchtbarsten Wechselfällen, von denen die Geschichte berichtet. Und alles das weist eben auf eine Zukunft hin, wie Moses und die Propheten dieselben für Israel vorausgesagt haben. Selbst auf natürlichem Wege ist die Verwirklichung der Messiasidee, dahin verstanden, daß Israel wieder einmal ein selbstständiges Volk im eigenen Lande werden soll, wohl begreiflich. Gott bedarf hierzu nicht der Wunder, sondern wir sehen gerade seine Hand in dem natürlichen Verlauf der Dinge. Israel nun hat seine Ansprüche auf Palästina nie aufgegeben, sondern die Messiashoffnung lebte in ihm fort von Jahrhundert zu Jahrhundert. Und war Israel in dieser Zeit kein Volk, so war es doch eine Familie, die überall die eine Sehnsucht erfüllte, wieder im eigenen Boden eingewurzelt zu werden. Eine Ruine scheinbar hat diese Ruine allen Stürmen der Zeit getrotzt, verlangt jedoch des Neubaues in Herrlichkeit. Canaan hat auch seit jener Zeit keinen wirklichen Herrn gesunden, und seufzt unter dem Fluche der Verödung. Gerade dieser Zustand des Landes wird es jedoch bewirken, daß man den künftigen Ansprüchen des jüdischen Volkes keine allzugroßen Hindernisse in den Weg legt. Die Frage ist nur, ob Israel diesen Anspruch erheben wird. Die Geschichte kennt allerdings kein Beispiel dieser Art. Dennoch ist die Sache selbst sehr wahrscheinlich, wenn man bedenkt, daß die Juden seit ihrer Zerstreuung stets unter allen heidnischen sowohl als muhamedanischen und christlichen Völkern eine Sonder- und Ausnahmestellung eingenommen haben. Der Jude wurde als Fremdling betrachtet und auf die niedrigste Stufe der Gesellschaft gestellt. Jetzt hat sich dies Verhältniß bedeutend geändert, er wird allen anderen Staatsbürgern gleichgestellt. Trotzdem bleibt eine volle Gleichstellung unmöglich, denn es kann kein